Beleg des Monats

 

 

Philatelie soll ja nicht nur eine ernste Beschäftigung sein. Die Thematische Philatelie lässt zahlreiche geistige Bocksprünge zu – hin und wieder findet sich ein Beleg, der so prägnant, so typisch ist, dass man meinen könnte, es sei Mache. In der Philatelie ist ja vieles Mache, denken wir an die vielen Ersttagsbriefe, die Gefälligkeitsabstempelungen usw. 

Auf dieser Seite können uns Autoren Texte samt Abbildungen zusenden – wir werden versuchen so viel wie möglich zu veröffentlichen!


Februar – März – April 2019 – Belegarten im Exponat

Wenn man sich einmal entschlossen hat, ein Exponat zusammenzustellen und sich selbst das Thema vorgegeben hat, eine Gliederung erarbeitet und den wichtigsten Text vermerkt hat, kann man daran gehen, Belege zu sammeln, um das Thema darzustellen. Will man eines Tages mit dem Exponat an einem Wettbewerb teilnehmen, so muss man ein paar Kriterien beachten, um die/den Juror*in milde zu stimmen. Wichtig ist dabei, dass man eine möglichst grosse Vielfalt an Bedarfspost präsentieren kann. Hier sollen nun einige Dutzend dieser Belege vorgestellt werden, die man in einem Exponat verwenden kann. Diese Liste abzuarbeiten ist nun nicht in ein paar Stunden getan, auch eine Nacht wird zu kurz, ausser man sässe im Winter in Nordnorwegen…

Abklatsch

Ein Abklatsch entsteht durch Stapeln von noch druckfeuchten Druckbogen [Bogenabklatsch – spiegelverkehrt auf Markenrückseite], vor allem aber durch technische Unzulänglichkeiten im Druck (die Technik wird immer moderner, daher findet sich ein Abklatsch eher bei alten Marken). Dabei passiert es, dass Papier fehlt, der Andruck erfolgt auf die Anpresswalze, die beim folgenden Bogen auf die Markerückseite druckt [Maschinenabklatsch].

 

Danzig Flugpost MiNr 70 – doppelter Abklatsch

 

Adelsbriefe

In der "guten alten Zeit" gab es wie heute Privilegierte, nicht nur etwa bei Bildung oder Steuerhoheit, sondern auch beim Versenden einer Nachricht – der Adel war vom Brief-Porto befreit.

Adelsbrief von Schloss Ludwigsburg nach Lübeck

Schloss Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern (Marke mit rechter Allonge).

 

Aerogramm (Luftpostleichtbrief)

Beim Transport von Post mit Flugzeugen musste man in der Anfangsphase des Flugverkehrs darauf Bedacht nehmen, dass die Briefe nicht zu schwer waren. Dafür gab es Sonderposttarife für die Luftpostleichtbriefe – eine Hand wäscht die andere – dies kann man auch von der Elfenbeinküste sagen

Das Aerogramm ist zum Unterschied zum Luftpostleichtbrief eine Ganzsache!

In keinem afrikanischen Land wurde die Natur so rasch und nachhaltig zerstört wie in der Elfenbeinküste. Verantwortlich dafür ist illegaler Kakaobohnen-Anbau u.a. in Naturparks – siehe dazu Regenwald.org [die dunkle Seite der Schokolade].

 

Allonge

Als Allonge bezeichnet man den unbedruckten oder bedruckten Rand oder Zierrand eines Briefmarken-Bogens. Der Rand ist auch zum Aufdruck des Gesamtwertes einer Reihe oder Spalte geeignet.

Javier Sotomayor hält den Weltrekord im Hochsprung mit 245 cm!

 

Antwortbrief (Werbeantwort)

Früher konnte man einen Werbebrief versenden, dabei wurde bereits ein frankierter Antwortbrief (Werbeantwort) mitgeschickt, den der Kunde dann mit einer Bestellung an den Werber zurücksenden konnte.

Besonders bunt sind die Briefe der Firma Bienenfleiss. Diese Verkaufsstrategie wurde ofmals in Österreich (Kärnten und Steiermark) von den Imkern angewendet. Eine Datenschutzgrundverordnung gab es noch nicht und so konnten die ersten "Schneeballsysteme" beim Handel mit Honig entstehen (meist in 5-kg-Bkechkübel).

 

Archivkarte (Stammkarte)

Stammkarten beinhalten alle für Francotyp wichtigen Informationen über den zum Beispiel für die Firma Theodor Schröder in Lübeck angefertigten Absenderfreistempel.

Werbung, das erkannten die Firmen rasch, ist wichtig – und Werbung kann man auch über Poststempel betreiben. Die bekannteste Firma für die Herstellung von Werbestempel für die Freimachung eines Briefes ist die Firma Francotyp, die ihrerseits natürlich ein Inventar ihrer Kunden mittels "Stammkarte" angelegt hatte [Kopie unseres Augustbeitrages weiter unten].

 

Astrophilatelie (Raketenpost)

Es handelt sich dabei um philatelistische Belege, die schon einmal einen Weltraumflug hinter sich gebracht haben. Eigentlich ist es Mache und keine Bedarfspost. Anfänge dazu war die sogenannte Raketenpost aus den 1930er-Jahren.

 

Automatenmarke (ATM)

Gesucht sind bei Automatenmarken vor allem neben den Motiven auch Falschdrucke der Automaten. Manche sammeln zusätzlich die ausgegebenen Zahlungsquittungen.

 

Bahnpost – Bahnpost-Stempel

Früher konnte der Postkunde Briefe auch in Briefkästen einwerfen, die in Waggons integriert waren. So konnte ein richtig aufgegebener Brief bereits in ein paar Stunden am Bestimmungsort sein.

Dieses Markenpaar zeigt sehr schön den ovalen Stempel der deutschen Bahnpost. Die Strecke des Zuges ist angegeben, auch die Zugsnummer und das Datum der Aufgabe. Dieser Beleg ist verschollen (das zur Verlässlichkeit der Post in heutigen Tagen).

 

Banderole für Bogenverpackung

Ein besonderes Sammelgebiet stellen Verpackungen für Briefmarken dar: Blister, Mappen und eben auch Banderolen. Sie werden verwendet, um mehrere Briefmarkenbögen oder Blocks zusammenzuhalten.

Böse Zunden behaupten, es nütze nichts, sich mit Postlern gut zu stellen, denn sie wollten eines Tages ihre Pension aufbessern mit Dokumenten, die eigentlich für den Papierkorb bestimmt waren. Böse Zungen!

 

Bedarfspost

darunter fällt jegliche Korrespondenz und andere Belege, die zur Übermittlung von Mitteilungen oder Waren gedient haben – also keine "Mache", die zum Verkauf von Briefmarken hergestellt wurden wie Ersttagsbriefe, Gefälligkeitsabstempelungen etc.

Es ist anzunehmen, dass dieser Brief der Nachrichtenübermittlung gedient hat. Er ist sauber gestempelt, zumal man ihm ausserdem ansieht, dass der Absender das Aufkleben der Marken nicht so genau genommen hat – wahrscheinlich kein Philatelist!

 

Biberpost

Sie ist ein privates Unternehmen, das die Postdienste im Bereich von Magdeburg und Umgebung neben der Deutschen Post wahrnimmt. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan "Biberpost kommt besser an".

So manch exotischer Beleg ist nur bei der Biberpost zu erhalten – das Unternehmen zeigt jedenfalls Phantasie.

 

Block

Werden Marken zusammen gedruckt und mit einem Zierrahmen umgeben, so sind es entweder ganze Bögen oder Blocks. Sie sind dekorativ gestaltet und machen ein Album bunt.

Obwohl in der Antarktis keine Einwohner gemeldet sind, floriert das Geschäft mit Briefmarken recht gut!

 

Booklet (Briefmarkenheftchen)

Briefmarkenheftchen sind dekorativ gestaltet. Der Umschlag für die darin befindlichen Marken ist etwas dicker, um den Marken Schutz zu geben.

Booklets aus den ersten Tagen der Auflage sind gesucht; sie sind selten und teuer!

 

Desinfektionsbrief

Kamen früher Briefe aus mit Krankheiten infizierten Gebieten, so glaubte man, man könne durch verschiedene Massnahmen (Räuchern, Bügeln…) die Übertragung von Krankheiten verhindern.

Im gegeständlichen Fall wurde der Brief durchstochen und geräuchert.

 

Dienstpost

Die Kennzeichnung dieser Post erfolgt durch Stempel oder spezielle Dienst-Briefmarken (tlw. Überdrucke oder Lochungen) oder die Dienstpost ist als solche gekennzeichnet und es erfolgt eine portofreie Zustellung.

 

Druckprobe

Immer wenn ein Druckauftrag vorliegt, nimmt der Drucker Druckproben, um zu kontrollieren ob die verschiedenen Farbdrucke richtig übereinander liegen und der Farbdruck entsprechen einer Bestellung erfolgt.

 

Der Bürstenabzug (links) zeigt die Marke ohne Farbgestaltung, der Musterdruck (Specimen rechts) zeigt die fertige Marke. Er dient der Präsentation.

 

Einlieferungsschein

Wird ein Brief per Einschreiben versandt, erhält der Kunde (Absender) eine Bestätigung, dass er ein Poststück aufgegeben, sprich eingeliefert hat.

 

Einschreiben (R-Brief)

Der Einschreibe-Brief wird mit einem Reco-Zettel gekennzeichnet. Die Post wird gesondert von der anderen Post gegen Unterschrift ausgeliefert.

Einschreibe-Brief ab Bern mit Fensterkuvert versendet und Reco-Zettel (unten).

 

Epreuve

Beim Epreuve (Muster) unterscheiden wir ein Epreuve d'artiste (Künstler) oder ein Druckmuster (Specimen). Es kann ein solcher Musterdruck für Drucker, für die Tagespresse, für Diplomaten oder Postmitarbeiter hergestellt werden.

Ein Künstlermuster ist immer eine SW- oder Farbzeichnung meist stellt es ein Unikat dar. Es können aber auch Kopien hergestellt werden (Lithographien) – diese werden meist nummeriert.

 

Ersttagsbrief

Ein FDC (First Day Cover) fällt unter "Mache", da es sich um eine Gefälligkeitsabstempelung handelt (im Gegensatz zum beförderten Brief).

Sehr oft werden die FDCs mit bedruckten Kuverts hergestellt – da die Briefe nicht befördert werden wird kein Empfänger angegeben.

 

Farbunterschiede

Verschieden gedruckte Farben entstehen meist bei Nachfpllen von Farben (andere "Charge") – dies kann im Farb-Buchdruck ebenso passieren wie bei Tapeten oder auch bei Briefmarken

Links sehen wir eine Marke im Orange-Ton, rechts im Gelb-Ton. Nicht verkaufte Briefmarken des Saargebietes wurden übrigens 1935/1936 unter Aufsicht in Hochöfen verbrannt.

 

Federbrief

Wie immer sagt ein Bild mehr als tausend Worte!

Bild aus meinem Exponat "Im Land der Mitternachtssonne".

 

Feldpost

Diese meist kostenlose Beförderung ist ausschliesslich der kämpfenden Truppe oder einer Frieden sichernden Truppe vorbehalten.

Stempel der österreichischen KFOR-Truppen im Kosovo [UN-Blauhelme]. Au fder Seite des Bundesheeres ist die Abkürzung AUTCOM/KFOR zu finden. Zur Kennzeichnung des Briefes mittels fluoriszierender Markierujngen – siehe:

Fluoreszierung

Siehe Fluoreszierungsmarkierung am unteren Teil des Briefes oben. Diese Markierung eines Briefes schein eine Garantie zu sein, dass ein Poststück gelaufen ist (keine Mache!). Allerdings wird eine Fluoreszierung auf ins das Papier eingebaut, um Briefmarken gegen Fälschung zu sichern bzw eine zweite Auflage zu markieren. Die Papierqualität kann mittels Speziallampen sichtbar gemacht werden (Siehe Lumineszenz bei Wiki).

 

Flugpost

Sie muss nicht unbedingt mittels Aerogramm erfolgen – es kann auch eine Briefmarke aufgeklebt werden.

Luftpost von der afrikanischen Elfenbeinküste nach Holland.

 

Freistempel

Freistempel werden mit Stempelmaschinen auf Briefe gestempelt. Ist ein Absender angegeben nennt man sie Absender-Freistempel. Oft werden dabei Francotyp-Maschinen verwendet (siehe Archivkarte). 

 

Galgenbrief

Ganzsache

Als G. bezeichnet man ein Poststück [Aerogramm, Briefe, Karten…], in das die Wertstufe mit eingedruckt ist.

In diese Karte aus 1876 vom Vorarlberger Bezau ist die Gebühr von 2 Kreuzer eingedruckt. Für die Beförderungs ins Ausland (Schweiz) sind weitere 3 Kreuzer zu entrichten – dies erfolgt durch Auffrankierung.

 

Gitterstempel

siehe dazu unsere Stempelsammlung

 

Halbierung

Hatte man früher keine kleinen Werte zur Verfügung, schnitt man einfach eine Marke auseinander. So einfach geht das heute nicht mehr, die Bürokratie rafft einfache Lösungen für ein Problem stets hinweg!

Aus meinem Exponat "Die September-Verschwörung",um die Teilung der Tschechoslowakei in Tschechen und Slowaken darzustellen, verwendet. Der Juror meinte zurecht dieser Beleg sei Mache!

 

Heimkehrerpost

Die Heimkehrerpost (Quelle) gehört zur sogenannten Kriegspost des 2. Weltkrieges. Sie bildet bei ca. 3 bis 4 Millionen deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges den Abschluss ihrer Korrespondenz, die sie in dem Zeitraum von ihrer Einberufung zum Kriegsdienst bis zur Heimkehr versandten. In diesem Zeitraum versandten die Soldaten und ihre Angehörigen in deren eigenen Angelegenheiten Postsendungen meist unter besonderen "Gebührenvergünstigungen" mit den Vermerken "Feldpost", "Kriegsgefangenenpost" und "Heimkehrerpost". Diese drei Postverkehrsarten wurden in der Kriegs- und Nachkriegszeit von vielen deutschen Soldaten und ihren Angehörigen, entsprechend des individuellen persönlichen Verlaufs dieses Zeitabschnittes, mehr oder weniger intensiv genutzt. Die Übergänge von der einen Postverkehrsart zur anderen waren zum Teil fließend und nicht einheitlich gleich bei allen Soldaten. Erst nach ihrer Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft durften die ehemaligen deutschen Soldaten, unter besonderen Voraussetzungen und Zeitabschnitten, die sogenannte Heimkehrerpost aus Entlassungs- Durchgangs- und Quarantänelagern sowie Krankenanstalten und Erholungsheimen versenden.

Mit der Heimkehrerpost ist stets Portofreiheit verbunden!

 

Hufeisenstempel

siehe dazu unsere Stempelsammlung

 

Infla oder Inflation

Inflation bedeutet die Entwertung der Kaufkraft durch Teuerung. Das kann langsam geschehen (Preissteigerungen – Portoerhöhungen) oder rasch – so geschehen etwa zwischen 1921 – 1923 in Deutschland. Postkarten oder Briefe mussten dann mit hohen Gebühren versehen werden. Siehe dazu das Exponat "Der Postreiter".

 

Irrläufer

I. sind Poststücke, die man versucht hat zuzustellen – gelingt dies nicht, werden sie mit einem "Retour"-Stempel versehen oder erhalten einen Aufklber, dass die Zustellung nicht möglich war.

Diesen Beleg verwendete ich im Exponat "Oktober in Paris", um aufzuzeigen, dass die Meldungen bei der Polizei an dem Tag der Übergriffe auf die unbewaffneten Algerier chaotisch eingegangen waren.  

 

Japan – Datum entziffern

Die Japaner haben mehrere Arten, um ein Datum darzustellen. 9/11 wäre etwa 2001-09-11 also fast so, wie manche amtliche Verfügung in Europa, wie das Datum zu schreiben sei, was aber in der Praxis nicht getan wird. Auch auf japanischen Stempeln findet sich in den letzten Jahren eine "lesbare" Darstellung des Datums. Eine andere gebräuchliche Art (vor allem in der Philatelie) ist, das Datum an die Thronbesteigung des Tenno zu binden und Jahre hinzuzufügen, also etwa Showa (1926 bis 1989), will heissen Showa 10 = 1936.

  • Meiji (明治) von 1868 (Meiji 1) bis 1912 (Meiji 45) – Kaiser Mutsuhito
  • Taishō (大正) von 1912 (Taishō 1) bis 1926 (Taishō 15) – Kaiser Yoshihito
  • Shōwa (昭和) von 1926 (Shōwa 1) bis 1989 (Shōwa 64) – Kaiser Hirohito
  • Heisei (平成) seit 1989 (Heisei 1) – derzeit Kaiser Akihito

Bild in Arbeit

 

Katapultbrief

Entgegen den heutigen Gepflogenheiten bei verschiedenen Postanstalten Europas, versuchte man früher die Zustellung eines Briefes rasch zu vollziehen. Dafür gab es etwa bei Atlantiküberquerungen Flugzeuge, die mit der zuzustellenden Post – lange bevor Land in Sicht war – von Bord katapultiert wurden.

Die deutschen Dampfer Bremen und Europa verfügten über Katapultanlagen.

 

Katastrophenbrief

K. sind Poststücke, die auf dem Transport verunfallen (Brand, Absturz, Unfall…). 

 

Kehrdrruck

Kopfstehender überdruck

Kurierpost

Lagerpost

Luftleichtbrief

Luftpost

Mache

Muster

Nachentwertung

Nachnahmesendung

Nachporto

Negativstempel

Nicht angenommen

Paketmarke

Paketschein

Paqueboot

Perfin

Polarogramm

Postübernahmekarte

Privatanzeigenumschlag

Publibel

R-Brief

Reko-Schein

Rohrpost

Rollenmarke

Rollenstempel

Röntgenbrief

Rückantwortschein

Sackstempel

Schiffspost

Schwarzdruck

Sonntagsmarken

Specimen

Stadtpost

Stammkarten

Stempel

Stempelformen

Steuermarken als briefmarken

Streifenband

Stummer Stempel

Telegramm

Telegraphenmarke

Überdruck

Ungezähnte Marke

Verzähnung

V-Mail

Vorführstempel

Vorphila

Wasserzeichen

Werbeallonge

Wertbrief

Zahlschein

Zählungskennzeichen

Zähnung

Zeitungsausschnitt mit Marke

Zeitungsmarke

 

Zensur

Zensurberief von München nach Trier

Ein wenig Postgeschichtlicher Hintergrund zum Zensurstempel:

Die Regierungsgewalt für die westlichen Zonen Deutschlands lag ursprünglich beim obersten Hauptquartier, Alliierte Einsatzwaffe (SHAEF, Supreme Head­quarters Alliied Expidionary Force), dessen Heeresführer der Amerikaner Dwight D. Eisenhower war. Die westlichen Alliierten hatten sich rechtzeitig auf die Übernahme der Regie­rungsgewalt vorbereitet, indem sie die sogenannten Schubladengesetze vorbe­reitet hatten. Auch in der amerikanischen Besatzungszone bildete so das Gesetz Nr. 76 der Militärregierung Deutschland dann die Grundlage für den Postverkehr. Dieses Gesetz untersagte zunächst jeglichen Postverkehr und kündigte für seine Wiederaufnahme Zensurmaßnahmen an:

Gesetz Nr. 76 Artikel III Zensur

8. Jeder durch die Post beförderte Schriftwechsel, alle auf die­sem Wege beförderten privaten Schriftstücke und Urkunden so­wie alle Mitteilungen mittels Fernsprecher, Fernschreiber, Tele­graf und Funkdienst müssen nach Wiederaufnahme des ent­sprechenden Dienstes die Zensurbestimmungen der Militärre­gierung beachten und dürfen nur auf dem behördlich zugelasse­nen Wege übermittelt werden. Mitteilungen, private Schriftstücke und Urkunden im Besitz von Zivilpersonen sind ebenfalls der Zensur unterworfen.

9. Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes gültigen Bestimmungen sind die "ZENSURBESTIMMUNGEN FÜR DIE ZIVILBEVÖLKE­RUNG IN DEUTSCHLAND UNTER DER HERRSCHAFT DER MILI­TÄRREGIERUNG". Abschriften dieser Bestimmungen werden, so­weit wie möglich, in jedem Postamt ausliegen und im Amtsblatt der Militärregierung veröffentlicht. Diese Bestimmungen können von Zeit zu Zeit ergänzt oder abgeändert werden.

10. Die Beamten und Angestellten der Reichspost haben alle zweckdienlichen Schritte zu unternehmen, um eine vollständige Einhaltung der Zensurbestimmungen zu gewährleisten und eine Umgehung der Zensur zu verhindern.

Als sich das Ende von SHAEF abzeichnete, richteten sich die Amerikaner eine eigene Zensurorganisation ein. Zu diesem Zweck wurde die Civil Censorship Division (CCD) gegründet. Diese Organisation bestand aus zwei Arten von Brief­prüfstellen: principal stations (Hauptprüfstellen)sowie field stations (Außenstellen der Hauptprüfstellen. Anfangs waren 3 principal stations im Einsatz:

Group A in München (Dienstbeginn 18.06.45, zuständig für den Eastern Military District)
Group B in Offenbach (Dienstbeginn 01.07.45, zuständig für den Western Military District)
Group C in Berlin (Dienstbeginn 10.09.45, zuständig für den amerikanischen Sektor von Berlin)

Die Zensurstelle Offenbach zog später nach Frankfurt/Main um und wurde dort auch als Group F geführt.

Am 01.10.45 erfolgte die Trennung von Truppenführung der U.S. Army und der Militärregierung. Analog wurde auch die Zensur-Organisation angepasst:

CCD Group A in München: Diese Zensurstelle war für Bayern zuständig. Ihr war eine field station in Nürnberg zugeordnet, welche am 27.08.46 nach Kulmbach umzog und dort als Group D geführt wurde.
CCD Group B in Frankfurt/Main, die für Hessen zuständig war.
CCD Group C in Berlin, deren Zuständigkeitsbereich der amerikanische Sektor von Berlin war.
CCD Group E mit Sitz in Esslingen. die Zensurstelle gehörte erst als Detachment E zur CCD Group B und wurde am 23.11.45 in Group E umbe­nannt. Die Stelle war für den amerikanisch besetzten Teil von Württemberg und Baden zuständig. Ihr war eine field station in Karlsruhe zugeordnet.
CCD Group ? in Bremen. Diese Zensurstelle bestand nur vom Herbst 1945 bis zum Frühjahr 1946.

Die Zensurstellen Esslingen und Kulmbach wurden im April 1947 geschlossen, ihre Aufgaben gingen auf die Zensurstelle Offenbach über. Diese wurde am 18.08.47 geschlossen. Am 15.10.47 wurden die Zensurbestimmungen in der amerikanischen und in der britischen Besatzungszone aufgehoben. In den Jahren 1948 bis 1950 erfolgten lediglich noch Devisenkontrollen.

[Redaktionell aus dem Thema "Alliierte Besetzung SBZ: Schöne Belege" kopiert – dann von Philaseiten.de entnommen]

 

Zusammendruck     

 


Jänner 2019 – vom Motiv zum Thema

Briefmarken sind das Tor zur Welt – an diesem Slogan hat sich nichts geändert. Vielleicht haben sich das Tor oder die Welt gegenüber ein paar Jahrzehnten verändert – auch Briefmarken sind anders geworden. Dies bezieht sich sowohl auf Formen, Farben, Papier und Druck. Denken wir an die Wackelbilder-Briefmarken oder Briefmarken, die aus Stoff, Glas oder Metall hergestellt sind, so eröffnen sich für Sammler und Jäger Dimensionen der fünften Art. Wer Freude am Motive-Sammeln hat, dem eröffnen sich Tausende von Möglichkeiten. Als Beispiel möge hier eine Marke aus dem Dritten Reich dienen – 1936 fanden die Olympischen Spiele in Deutschland (Garmisch Partenkirchen und Berlin) statt. Als Motive bieten sich an: Sport, Olympia, Winterolympiade, Schi-Springen, Schi-Ausrüstung, 1936, Fliegen, zudem könnten sowohl der Stempel (Schispuren!) als auch die Perforierung (Perfin) "KIEL" thematisiert werden (der Bewerb "Segeln" fand in der Kieler Förde statt).   

   

Thematisch kann der Beleg vielfältig verwendet werden: zB das Fernsehen war bereits erfunden, es konnte sich in diesen Tagen aber so richtig etablieren. Dieses Medium wurde Teil der Massenmedien und wer das Medium für sich nutzte, konnte fortan die Menschen-Massen bewegen. Wir sehen, dass wir bei der Thematik auch "Abstraktes" darstellen können; dadurch werden wir selbst, aber auich der Beschauer geistig mehr gefordert (cmb).


Dezember 2018 – Versteckte Mitteilungen

Verschwörungstheorien sind ein geliebtes Thema meinerseits. So manche dieser Hirngespinste (wie es die Besserwisser nennen) bewahrheiten sich erst zB nach Öffnung von Archiven. Manche Gerichtsakten werden auf Jahre unter Verschluss in Archiven gehortet und werden erst nach ein paar Generationen öffentlich. Das nährt Theorien aller Art. Über eine Begebenheit aus den Dreissigerjahren des 20. Jahrhunderts will ich heute berichten:

Zwischen Versailles und Zweitem europäischen Krieg, der ab 1941 ein Weltkrieg wurde, war vor allem das Jahr 1934 durch blutige Auseinandersetzungen in Österreich gekennzeichnet – eigentlich war es ein Bürgerkrieg verschiedener politischer Gruppen, die meinten, man könne Konflikte am besten mit Waffen lösen.

Obwohl und weil diese Zeit explosiv war, gab es dennoch auch Personenkreise, die im Stillen wirkten – so die österreichischen Winzer. Sie wollten sich gegen die Weinimporte aus Italien wehren und nahmen die Philatelie zu Hilfe. 1934 soll die allererste Trachtenserie an die Postschalter kommen. Als Protest gegen den vergorenen Rebensaft aus dem Lande Mussolinis setzte man die Ohren des Winzers verkehrt an des Winzers Kopf ins Markenbild der blauen 6-Groschen-Marke (Michel 571 I) – 1935 wurde der Fehler mit einer zweiten Auflage korrigiert (Michel 571 II). Die gute alte Zeit lässt grüssen…

   

    Michel/ANK 571I                    Michel/ANK 571II

(cmb)


 

November 2018 – Stempel

Keine Angst – im November kommt sicherlich noch etwas dazu! Aber nervt es Euch nicht auch hin und wieder, dass man im Michel-Katalog etwas nachschlägt und dann kommt eine Buchstabenkombination als Abkürzung, die man nicht auflösen kann. Deshalb hier ein Register:

Unser Partner:

Im November 2018 haben wir auf unseren Seiten eine neue Galerie eingefügt – es geht um Stempel und deren Bezeichnungen [nach deren geometrischen Formen]. Basis ist der Band 193 der Poststempelgilde e.V. mit dem viel versprechenden Titel "Die Bezeichnung der Poststempelformen" (2016) verfasst von Lothar Goedicke & Volkmar Werdermann [160 Seiten, Hunderte Abbildungen]. Unsere Galerie lädt natürlich zur Vervollständigung ein!

Hier ein paar Beispiele:

 

Ellipse & Ein-Kreis-Stempel                      Zwei-Kreis-Stempel & Flaggenstempel

(cmb)


Oktober 2018 – Vorbindezettel

Die Infos dazu stammen aus Jörg Kaula (2009): "Der Postbetriebsdienst des Deutschen Reiches 1929 – 1938". Es handelt sich dabei um ein Thema zur Bahnpost. Das funktionierte mit viel Personal sehr gut, denn Post wurde im Zug zur Ausgabe vorsortiert. So war es damals möglich Briefe innerhalb von einem Tag hunderte Kilometer weiter zuzustellen – Zustände von denen wir heute nur träumen können, obwohl alles zentral bearbeitet wird, die Post per LKW und Flugzeug transportiert wird.

Beispiele für Vorbindezettel:

Vorbindezettel Zug 69022 Erfurt – Meiningen               Zug 66 Münster – Norddeich

(cmb)


September 2018 – Postler müssen rechnen…

Die EU macht Vieles möglich – und 2002 mussten unsere Postler im Kopf oder besser auf Maschinen rechnen, denn ab Neujahr verausgabte die Post Ergänzungsmarken ohne Wertangabe; den Wert musste der Postler selbst berechnen und händisch in die Marke eintragen. Eine Abgabe von Blanko-Marken an den Postkunden ist strengstens untersagt. Mit 31.05.2003 enden sowohl die Ära dieser Marken und als auch hält man so manche schier unlösbare Herausforderung von den Postlern fern.

Die Gemeinde Gaschurn-Partenen informiert über die Post in Partenen wie folgt: "Das Postamt Partenen wurde am 21. November 1925 im Haus Nr. 10 eröffnet. Vor diesem Zeitpunkt befand sich im Haus Nr. 9 eine Postablage. Die Post wurde damals nicht zugestellt, sondern sie konnte dort abgeholt werden. Mit der Eröffnung des Postamtes im Jahre 1925 konnten auch Ein- und Auszahlungen beim Postamt vorgenommen werden, Sendungen wurden damals aber nur im Ortskern zugestellt. Mit der Eröffnung der ersten Postautolinie im Montafon am 14. Juni 1927 zwischen Schruns und Partenen hatte das Postamt zu seinen übrigen Aufgaben auch die Funktion eines Streckenamtes zu erfüllen. Am 15. Juli 1929 wurde beim Postamt Partenen eine öffentliche Sprechstelle in Betrieb genommen. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch die Telegrammübermittlung über Fernsprecher durchgeführt. Ab dem Jahre 1938 wurde die Zustellung über den Ortskern hinaus erweitert. Im selben Jahr wurde im Silvrettadorf eine Postablage errichtet. Zu dieser Zeit waren beim Postamt Partenen 5 Leute beschäftigt. Die Zustellung der Postsendungen wurde auch im Arbeitslager Vermunt vorgenommen. Im Laufe des Jahres 1948 wurde das Postamt etwas modernisiert und zu dem bestehenden Amtsraum noch ein kleiner Raum angemietet. Infolge einer Lawinenkatastrophe im Jahre 1954 war die Ortschaft Partenen und damit auch das Postamt eine volle Woche von der Außenwelt völlig abgeschnitten, da auch die Telefonvrbindung unterbrochen war. Die Post wurde von den Bediensteten des Postamtes Partenen und einigen freiwilligen Helfern, auf Schiern bei der 8 km entfernten Ortschaft St. Gallenkirch abgeholt. – Im Jahre 1986 übersiedelte die Post in das neue Gebäude, Partenen HNr. 8. – Im Jahre 2002 wurde das Postamt Partenen endgültig geschlossen". Der Autor möchte an dieser Stelle auf die besten Kässpätzle hinweisen, die es im weiten Umkreis gibt…

Wir erhielten von Dr. Helmut Seebald, Hörbranz, noch eine bemerkenswerte philatelistische Ergänzung:  Während des Krieges war auf der Bielerhöhe die Illwerkebaustelle, die von der Poststelle Dorf Silvretta / Parthenen betreut wurde. Auf der Bielerhöhe arbeiteten Kriegsgefangene, Fremdarbeiter und Ostarbeiter, wie auch auf den anderen Baustellen der Illwerke im Montafon. Nach dem Krieg setzten den Bau Displaced Persons und Internierte fort: 

Brief eines Deutschen vom Dorf Silvretta vom 7.5.1946 über die französische Zensur Bregenz und die US-Zensur Esslingen nach Kressbronn.

Brief von Pohorelice / CSR über die französische Zensur Bregenz an einen sudetendeutschen Flüchtling in das Gefangenen-Lager Silvretta Dorf.

(cmb)


 

August 2018 – Der "Postreiter" in der Inflationszeit

Zwischen 1921 – 1923 wurden viele Postkarten mit dem Werteindruck "Postreiter" gedruckt und auch verwendet. Allerdings unterlagen auch die Postgebühren der damaligen Inflation. Da die Karten in hohen Auflagen gedruckt waren, sollten sie auch aufgebraucht werden und somit kam es zu Zudrucken und zahlreichen Auffrankierungen, die ein bemerkenswertes Sammelgebiet darstellen. Damian Läge präsentierte anlässlich der Mübria 2018 sein hochbewertetes Exponat der Öffentlichkeit. Die Postgebühren der damaligen Zeit und ein paar Belege werden hier präsentiert:

Quelle: Exponat von Damian Läge, modifiziert.

Die Inlandsfernkarte zu 40 Pfg wird mit weiteren 40 Pfg auffrankiert, um sie am 24.8.1921 als Auslandspostkarte (Niederlande) zu verwenden.

Die Inlandsfernkarte zu 40 Pfg wird auf 1,25 Mark auffrankiert, um am 15.6.1922 portogerecht als Fernkarte versendet zu werden.

Die ehemalige Inlandsfernkarte zu 40 Pfg wird von der Post mit einem Rosetten-Zudruck zu 35 Pfg ergänzt und könnte als Ortskarte verwendet werden. Der Absender klebt weitere 75 Pfg dazu und verwendet sie am 1.8.1922 als Auslandskarte.

 

Wir können uns vorstellen, dass es Hunderte von Kombinationsmöglichkeiten gibt – das macht diese Karten zu einem Sammelgebiet ohne absehbares Ende. Einen Beginn habe ich hier zusammengestellt…. (cmb)

 


Juli 2018 – Wertbehandlungsgebühr

In der Briefmarke 7-8/2018 wird von Herrn Andreas Raffeiner über die Ziffernserie des Alliierten Kontrollrates berichtet. Er bildet dabei die 50 Pf-Marke ab und beschriftet sie mit Wertbehandlungsgebühr, Paketdienst, Füllwert.

Einen solchen Beleg konnte ich zwar finden, kann ihn aber derzeit nicht interpretieren – Geduld!

Gefunden auf dieser Seite (der obige Gebührenzettel kostete 40 Pf.)

Das Thema rund um die obige Gebührenordnung scheint weitläufiger zu sein – deshalb hat sich eine Arbeitsgemeinschaft (Arge Kontrollrat 1946/48 e. V.) gebildet, die sich mit dieser Thematik befasst. Einfach auf die untenstehende Marke (24 Pf.) klicken und man kommt dorthin, wo man rasch eine Antwort auf Fragen bekommt. 

Mit 24 Pf. konnte man einen Brief bis 20 Gramm im Fernverkehr versenden!

(cmb)

 


Juni 2018 – Briefmarkenheftchen

Bei Währungsumstellungen (auf €), Portoerhöhungen ist es hilfreich, wenn kleine Werte zur Hand sind. Dafür legt die Post entweder Rollenmarken oder Briefmarkenheftchen auf. Kenntlich sind die einzelnen Blätter daran, dass die Marken am Rand keine Zähnung aufweisen.  

Dieses Blatt aus einem Briefmarkenheftchen wurde gänzlich als Frankatur verwendet (gesamt € 1,00).

(cmb)

 

Mai 2018 – Zensurpost

Schon immer wollten Menschen wissen, wie und was andere Menschen denken und schreiben. Meist geht und ging es ja um die Werte, um Wertmassstäbe, die die Bürger bei ihren Regierenden anlegten. Auch heute streitet man in der Politik um Werte; was ist es wert, ein Wert zu sein. Dafür wurden und werden Telefone angezapft, Briefe geöffnet oder staatliche Trojaner auf Computer geschmuggelt. Oft merkten und merken die Bürger von den fiesen Machenschaften der Herrschenden nichts, etwa zur Zeit der DDR. Hier wurden Briefe geöffnet, gelesen und wieder verschlossen. Schreiber und Empfänger merkten davon nichts, denn es wurden keine Vermerke angebracht. Zu Kriegszeiten zensurieren die Staaten besonders genau, meist vermerken sie es auf den Briefen, dass diese mitgelesen worden sind. In vielen Staaten gibt es ein Briefgeheimnis, ob es eingehalten wird, wissen wir nie 100%ig. 

Grundsätzlich unterscheidet man militärische und zivile Zensur – hier wird dem Empfänger mittels Stempel zur Kenntnis gebracht, dass sein Brief von der Staatspolizei gelesen wurde. (cmb)


April 2018 – Block

Ähnlich einem Häuserblock reihen sich beim philatelistischen Block Marke an Marke. Mitunter kann dabei eine Marke im Mittelpunkt stehen oder sie reihen sich diszipliniert neben- und untereinander.

König Drosselbart wurde von den Gebrüder Grimm 1810 aufgeschrieben. Das Märchen handelt von Leichtsinn und Hochmut, Arbeit und Demut, letztlich um soziale Ungerechtigkeit. Deswegen wurden die Grimms ja auch des Landes verwiesen.

Da fällt mir übrigens ein Witz (Grünwald!) ein: Warum geht ein König zum Zahnarzt? Naja, ganz einfach: weil er eine neue Krone braucht. (cmb)


  

März 2018 – Forwarder-Brief

Ein besonderer Brief aus Deutschland (Preußen) über die Schweiz nach Feldkirch (1853)

FORWARDER-Brief (über einen Boten gelaufen), geschrieben von Friedrich W. Paas in COELN (Köln) am 27. Sept. 1853, auf der Vorderseite mit dem blauen ovalen Firmenstempel (unter dem roten Tagesstempel von St. Gallen) versehen und an den "Forwarder" Steinemann und Recknagel aus St. Gallen übergeben (Ovalstempel auf der Rückseite – siehe nächste Abb.). In St. Gallen am 1. Okt.  1853 abgestempelt und nach Feldkirch spediert; dort am gleichen Tag mit dem Ankunftsstempel (rückseitig) versehen.

Der Empfänger, die Firma Getzner & Co., hatte zu dieser Zeit eine Textilfabrik in Feldkirch (später abgebrannt) und benötigte Soda (Natriumcarbonat) für die Stoffbearbeitung. Dieses aus England zu beziehende Produkt wird vom Händler in Köln zu (noch) günstigen Preisen angeboten.

Das Porto von 10 Rp. war lt. Vertrag vom 1. November 1852 zwischen der Eidgenossenschaft und dem Deutsch-Österreichischen Postverein die korrekte (recht niedrige) Taxe für den Grenzrayon (Rayon limitrophe R L bis 5 Meilen = 37,5 km in direkter Entfernung ohne Grenzberücksichtigung).  Das reguläre Porto für den Weg Preußen – Österreich hätte 9 Kreuzer plus ev. 3 Kreuzer für den Transit durch die Schweiz = 12 Kreuzer betragen. Die 10 Rp. entsprachen 3 Kreuzer CM. Ein beträchtliche Portoersparnis.

Die Höhe der Vergütung an den Forwarder ist nicht ersichtlich bzw. nicht bekannt und dürfte individuell unterschiedlich gewesen sein. (Text & Fotos von Gerhard)

Forwarder-Rückseite.


Februar 2018 – Innerdeutscher Postkrieg

Auch wenn immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Mauern zwischen Ost- und Westdeutschland platt gemacht wurden – es entstanden entlang des Grenzstreifens wunderbare Naturschutzgebiete – so weisen Politiker hin und wieder darauf hin, dass man auch die Mauern im Herzen beseitigen müsse. Jahre zuvor gab es einen innerdeutschen Postkrieg – Ost und West zensurierten Briefe durch Transportstopp und Rücksendung, weil die aufgeklebten Briefmarken dem jeweils Anderen nicht genehm waren. Die Marken wurden mit grauer Farbe überpinselt und der Brief an den Absender retourniert.

 

Diese Marke zu 50 Pfennig war der DDR-Regierung suspekt. Im Geäst vermuteten die Ost-Politiker das Abbild Adolf Hitlers, das natürlich nicht in die Gesinnung der Arbeiter und Bauern passen durfte. Heute dürfen wir beiderseits der Naturschutzgebiete über diese Reaktion lachen…. (cmb)


Jänner 2018 – Der Pilzsammler

Früher, in diesem Falle 1991, lud man Mitglieder eines Vereins in der Schweiz noch per Karte zu einer Jahreshauptversammlung. Man macht es noch heute – allerdings meist mit elektronischer Post – und hat somit keine Chance an einen typischen – ja humorvollen – Beleg zu kommen. 

Der Freistempel wird mit einem Hasler-Gerät "F88" abgeschlagen und der Briefträger versucht die Einladung Herrn Frei zu bringen, den er allerdings nicht findet und den man auch nicht kennt. Somit kommt die Karte – mit dem Vermerk "unbekannt" versehen – an den Verein für Pilzkunde zurück. Da der Verein auf der Karte ein nettes Logo "eines Pilzsuchers samt Korb und Fachbuch" abgedruckt hat, entsteht nun ein amüsanter Beleg, den man für viele Gelegenheiten verwenden könnte: wohl am besten für ein Pilzexponat, für Giftpilze oder Pilzgifte. (cmb)


Dezember 2017 – Von der Liebe der Briefmarke

Joachim Ringelnatz schaffte skurrile Gedichte – man sagte ihm nach, er sei ein Schulrüpel ersten Ranges gewesen.

Ringelnatz beschäftigt sich in diesem Gedicht mit einer "verliebten" Briefmarke, die letztlich auf dem Brief auf Reisen gehen musste. Es handelt sich hier um eine Ganzsache [Wert in Form eines Eindruckes]. (cmb)


November 2017 – Bedarfspost

Mache ist das Gegenteil der Bedarfspost. Sie kann sehr schön gestaltet sein, aber sie unterscheidet sich von der Mache (gemachte Belege) dadurch, dass die Bedarfspost tatsächlich befördert wurde, sie dient einer Mitteilung (Karte oder Brief) und sie ist portogerecht frankiert. 

Die drei Kriterien treffen auf diesen Umschlag zu – er ist zudem noch sehr dekorativ bedruckt. ist aber keine Ganzsache, in die der Wert eingedruckt wäre. (cmb)


Oktober 2017 – Absender-Freistempel

Geschäftspost wird oft mit einem Freistempel "frei" gemacht. in diesen Stempel können auch Bilder, Logo, Adresse etc. mit eingebaut werden. Man nennt den Stempel dann Absender-Freistempel.

Freistempel beinhalten zumindest Datum, Währung und Nation; er kann – wie hier mit Logo, Postleitzahl, Ort und Anschrift erweitert werden. (cmb)


September 2017 – Wiegemesserstempel (bo4z)

Das Kleine Walsertal (vulgo Kleinwalsertal) ist mit dem Auto nur über Deutschland erreichbar. Allerdings kam man dort nicht in den Genuss günstiger Treibstoffpreise, und seit 1995 gehören Deutschland und Österreich zum gleichen Wirtschaftsraum und somit sind alle Zollschranken gefallen. Postalisch allerdings gibt es Sondertarife, allerdings seit die Leute kaum mehrr Briefe schreiben, ist auch dieser Vorteil obsolet. Allerdings kann man sowohl nach Deutschland und Österreich zum Inlandstarif Briefe versenden, so man dies will. Die Postämter verfügen über deutsche und österreichische Stempel.

Links sehen wir einen sogenannten Wiegemesserstempel, der im Kleinen Walsertal verwendet wurde, um dem Postkunden kund zu tun, dass seine Post zu einem Sondertarif befördert wird. Bei der gängigen Benennung von Poststempeln hilft das Buch von Goedicke & Werdermann (2016) über "Die Bezeichnung der Poststempelformen".  (cmb)


August 2017 – Francotyp Stammkarte

Werbung, das erkannten die Firmen rasch, ist wichtig – und Werbung kann man auch über Poststempel betreiben. Die bekannteste Firma für die Herstellung von Werbestempel für die Freimachung eines Briefes ist die Firma Francotyp, die ihrerseits natürlich ein Inventar ihrer Kunden mittels "Stammkarte" angelegt hatte.

Stammkarten beinhalten alle für Francotyp wichtigen Informationen über den zum Beispiel für die Firma Theodor Schröder in Lübeck angefertigten Absenderfreistempel. (cmb)


Juli 2017 –  Publibel

Im Jahre 1933 kam irgend ein Jemand auf die Idee, dass man Werbe-Ganzsachen verkaufen könnte. Die Agence Publicité de Belge Postale brachte bis 1984 etwa 3.000 verschiedene Karten heraus, der Erlös wurde wohltätigen Zwecken zugeführt. 

 Die ersten etwa zweihundert Karten bekamen keine Nummern, später wurden sie nummeriert, ab der Nummer 2225 kamen noch Buchstabenkürzel für Niederländisch, Französisch und ein "A" für deutsch hinzu. (cmb)


Juni 2017 – Block

Ein Block ist mindestens eine Briefmarke mit Papier rundherum – so könnte man es mit einfachen Worten beschreiben. Für diese Art von philatelistischen Belegen gibt es natürlich zahllose Beispiele. Manche Postverwaltungen geben eine Vielzahl von Blöcken heraus und wer sich eine exotische Block-Sammlung zulegen will, muss schon beim Nominale mitunter tief in die Tasche greifen.

Gut verborgen in den französischen Bergen des Departement Isère liegt das Mutterkloster des Kartäuserordens, dessen Gründung auf das Jahr 1084 zurückgeht. La Grande Chartreuse ist übrigens der Typenfundort zahlreicher Schneckenarten. Die Mönche wollen durch Schweigen und in Einsamkeit zu Gott finden. (cmb)


Mai 2017 – Markierung von Briefen = Zielcode

Um die Sortierung und Zustellung von Briefen zu vereinfachen, werden sie markiert.  Dies kann mit verschieden hohen Strichcodes (etwa USA) mittels Nadeldrucker, mit einem fluorizierenden Code (etwa Deutschland) oder per QR-Code erfolgen. Für die Decodierung hat der Bund Deutscher Philatelisten eine Seite gestaltet. 

Dieser innerhalb der Schweiz freigemachte und zuzustellende Brief ist mit einem fluoreszierenden Strichcode versehen. So können etwa 36.000 bis 70.000 Briefe stündlich sortiert werden. (cmb)


April 2017 – Mühlradstempel

Nur die Bayern haben ihn 1850 erfunden: den Mühlradstempel. Ob das eine Idee beim Post-Bierstammtisch war, liess sich nicht eruieren. Die Sache ist jedenfalls gelungen – zur Freude der Philatelisten, die sich auf die Mühlrad-Stempel spezialisiert haben, denn jeder Nummer ist ein Postamt zugeordnet.

        

Bei dem abgebildeten Exemplar handelt es sich um die "Bayern-9-Kreuzer-Marke", die mit einem "geschlossenen" Mühlradstempel (No. 135 = Hof) entwertet wurde. 1856 kam es zu einer Nummern-Reform und zu einem Ziffern-Durcheinander, denn die Nummern wurden neu verteilt und "offene" Mühlradstempel eingesetzt [solche Ideen dürften Auswüchse nach Alkoholexzessen gewesen sein]. Heute gibt eine Stempeldatenbank darüber Auskunft. (cmb)


März 2017 – thematische Philatelie

Wem Ländersammlungen oder das Sammeln von speziellen Motiven auf Marken zu langweilig erscheint, kann sich mit der thematischen Philatelie befassen. Dabei wählt man ein Thema und gestaltet innerhalb des Themas eine kleine Sammlung von philatelistischen Belegen, die der Reihe nach betrachtet eine kurze oder lange Geschichte erzählen. Will man an Wettbewerben teilnehmen, muss man sich an Regeln halten, die beim jeweiligen Veranstalter zu erfragen sind. 

Dieser Beleg aus dem Jahre 1943 zeigt Galileo Galilei in Rom, der Brief wurde in Rom freigemacht und er wurde zensuriert. Deshalb wurde er in mein Exponat über das Leben und den Mord an René Descartes eingebaut. (cmb)


Februar 2017 – Hildburghausen alias Schildburghausen

Die Stadt liegt im fränkischen Süden des Bundeslandes Thüringen. 1807 reiste eine tiefverschleierte Dame an und stieg in Begleitung eines Herren im Gasthaus zum Englischen Hof ab; sie blieb drei Jahre, ohne dass ihre Identität geklärt werden konnte. Nach drei Jahren zog sie in eine benachbarte Gemeinde Eishausen, wo sie 1837 starb und in Hildburghausen begraben wurde. Um sie entstand der Roman "Der Dunkelgraf", ihr Grab wurde 2013 geöffnet, um per DNA eine Verwandtschaft mit Ludwig XVI. zu klären…       

Diesen Beleg habe ich in meiner Geschichte "Die September-Verschwörung" verwendet, um darzustellen, dass sich rund um die versuchte Einbürgerung Hitlers in den früher 1930er-Jahren in Hildburghausen, Hitler sollte dort "nur" Kriminal-Kommissar werden, eine bemerkenswerte Geschichte zutrug: Hitler wurde als Zeuge vorgeladen und musste aussagen, wie es zu diesem unlauteren Versuch der Einbürgerung kam. Dabei wurde Hitler mit Fragen durch den Ausschussvorsitzenden Hermann Brill so bombardiert, dass Hitler in Rage geriet und sich seine Begleiter Hess, Goebbels und andere wie eine ungezogen randalierende Schulklasse verhielt, und Goebbels zur Demostration auf seinen Stuhl stieg. Bei der Klärung der Perfins (Löcher zur Kennzeichnung in Marken) half mir die Arge Lochungen. (cmb)


 

Exponate – Exhibits

Naturwissenschaftliche Exponate – Natural History   

Historische Exponate – Political History

Fast historische Exponate – Fiction?

  

             

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