Black Friday

Der Schwarze Freitag ist in die Geschichte als 25. Oktober 1929 eingegangen. Die Farbe Schwarz scheint demnach Unglück zu bringen. Ist das der Grund, warum man nicht mehr von Negern oder Schwarzen sprechen soll, weil es Menschen deklassiert? Sagt man deshalb nur mehr N-Wort? Bringt eine schwarze Katze deshalb Unglück weil sie schwarz ist und auch noch von links vor uns über die Strasse rennt? Wie steht es dann mit schwarz gekleideten katholischen Priestern? Naja, ein mieses Beispiel – denn nicht alle haben pädophile Neigungen. Schwarz hat die RAL-Nummer 9005 – hier wurde sie nicht geächtet, denn sonst sollte da etwas mit 666 stehen. Man könnte den Menschen Nummern geben, ein 9005er – oder für einen Weissen 9010 (reinweiss). Ist der etwas fahl im Gesicht, wäre es ein 9002er (grauweiss) – obwohl so richtig weiss ist ein Weisser nun doch nicht, während ein 9005er tatsächlich ordentlich schwarz sein kann – etwa N-Wörter aus dem heutigen Togo. Dort sollen die schwärzesten aller Schwarzen herkommen. Schöne Schuhe waren früher stets schwarz. Damit die Schuhe so bleiben konnten, wurde Schuhpaste erfunden – und findige Leute nannten sie Togol – eben weil black auch beautiful ist. Alles ist Ansichtssache! Irgendwie kommt man da nicht zu einem seriösen Ende, der Autor dieser Zeilen meint, dass Rassismus nicht unbedingt etwas mit Worten zu tun haben muss, auch wenn immer wieder behauptet wird, Rassismus würde mit der Sprache beginnen. Man kann auch 9005 entwürdigend aussprechen und vor allem einen andersfarbigen Menschen entwürdigend behandeln. Und hier beginnt Rassismus! Und nicht bei Kinderspielen „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann“ oder an einem Kinderreim wie „Zehn Kleine Negerlein“ – Gleichberechtigung ist doch Schall und Rauch, wenn sie nicht gelebt wird. Arm und reich, Mann, Frau und Kind, Alte und Junge, Schöne und von der Natur weniger mit Schönheit beschenkte Menschen – da wird doch täglich der Rassismus gelebt – und als völlig „normal“ empfunden, zumindest von den Kolonisten. Nicht so von den Benachteiligten und meist Schwächeren. Und wir müssen uns diesbezüglich nichts vormachen und uns selbst anlügen: wenn es nützt, wenn man einen Vorteil aus einem Begriff oder Wort ziehen kann, dann wird der oder es doch schamlos verwendet – Black Friday etwa – was soll uns hier vermittelt werden? Dass die toll mit „Sale“ dekorierten Geschäfte Geld drauflegen, wenn wir bei denen kaufen? Ha, Leute, Ihr bekommt dort entweder Produkte aus der Lagerräumung von letzten Monat, sprich Ladenhüter, oder das neueste vom Neuen, das wahrscheinlich irgendwo in China oder Afrika unter entwürdigenden Bedingungen produziert wurde – aber drauflegen tut da niemand. Und obendrein verscherbeln einem die Dinge, die wir wahrscheinlich nicht wirklich brauchen. Ein zwölftes Paar Schuhe, oder ein neues Handy… meint

der Brandstetter

Patrice Lumumba 1961 ermordet

Hier die Rede des Patrice Emery Lumumba gehalten am 30.6.1960 dem Unabhängigkeitstag des Kongo [Lumumba wurde kurz darauf auf Befehl der USA von katangischen Soldaten unter belgischem Kommando erschossen – der belgische König Baudouin wusste Bescheid]:

Kongolesen und Kongolesinnen, Kämpfer für die heute errungene Unabhängigkeit, Ich grüße euch im Namen der kongolesischen Regierung. An euch alle, meine Freunde, die ihr unermüdlich an unserer Seite gekämpft habt, richte ich die Bitte, aus diesem 30. Juni 1960 ein glanzvolles Datum zu machen, das ihr für immer unauslöschlich in eurem Herzen bewahren sollt, ein Datum, dessen Bedeutung ihr mit Stolz euren Kindern erklären werdet, damit diese ihrerseits ihren Kindern und Enkelkindern von der ruhmreichen Geschichte unseres Kampfes für die Freiheit berichten.

Zwar verkünden wir heute diese Unabhängigkeit des Kongo im Einvernehmen mit Belgien, einem Land, mit dem wir befreundet sind und mit dem wir von gleich zu gleich verhandeln. Aber kein Kongolese, der dieses Namens würdig ist, wird jemals vergessen können, dass diese Unabhängigkeit im Kampf errungen wurde (Beifall), in einem täglich geführten leidenschaftlichen und aufopferungsvollem  Kampf, einem Kampf, in dem wir keiner Entbehrung und keinem Leiden entsagt und in dem wir weder unsere Kraft noch unser Blut geschont haben.

Wir sind bis tief in unserem Herzen stolz auf diesen Kampf, der unter Tränen, mit Feuer und Blut geführt wurde, denn es war ein selbstloser und gerechter Kampf, ein Kampf, der notwendig war, um die erniedrigende Sklaverei zu beenden, die uns mit Gewalt aufgezwungen worden war. Die Verletzungen, die wir in 80 Jahren Kolonialherrschaft erleiden mussten, sind noch zu frisch und zu schmerzhaft, als dass wir sie aus unserem Gedächtnis verjagen könnten. Eine Arbeitsschinderei wurde uns aufgezwungen , und das gegen eine Bezahlung, die es uns unmöglich machte, unseren Hunger zu stillen, für eine menschenwürdige Kleidung und Unterkunft zu sorgen oder unsere Kinder als von uns geliebte Wesen groß zu ziehen.

Wir haben Spott, Beschimpfungen und Schläge ertragen müssen, morgens, mittags und abends, nur weil wir Neger waren. Wer kann vergessen, dass man zu einem Schwarzen “du” sagte, allerdings nicht wie zu einem Freund, denn das respektvolle “Sie” war den allein Weißen vorbehalten. Wir haben erfahren müssen, dass uns Land  geraubt wurde im Namen vorgeblich legaler Dokumente, die lediglich das Recht des Stärkeren zur Geltung brachten. Wir haben erfahren, dass das Gesetz für Weiße und Schwarze nie gleich war: vermittelnd für die einen, grausam und unmenschlich für die anderen. Wir haben das entsetzliche Leiden derjenigen erlebt, die wegen ihrer politischen Meinung oder religiösen Überzeugung verbannt wurden;  zu Isolation im eigenen Land verurteilt war ihr Schicksal wahrhaft schlimmer als der Tod. Wir haben erfahren, dass es in den Städten herrliche Häuser für die Weißen gab, aber nur baufällige Strohhütten für die Schwarzen; dass ein Schwarzer kein Zutritt zu den europäisch genannten Kinos, Restaurants oder Geschäften hatte; dass ein Schwarzer unter Deck reisen musste, auf dem Boden des Schiffsrumpfes, zu Füßen der Weißen in ihren Luxuskabinen.

Wer kann die Schießereien vergessen, bei denen so viele unserer Brüder den Tod fanden, die Gefängnisse, in die jene brutal geworfen wurden, die sich nicht mehr der Herrschaft einer Justiz der Unterdrückung und Ausbeutung unterwerfen wollten? (Beifall) Unter all diesem, meine Brüder, haben wir unsagbar gelitten. Aber wir, die durch die Stimmen eurer gewählten Vertreter das Recht erhalten haben, um unser geliebtes Land zu leiten; wir, die an unserem eigenen Körper und mit unserem eigenen Herz die kolonialistische Ausbeutung erlitten haben, wir sagen es euch ganz laut, all dies ist ab jetzt vorbei. Die Republik Kongo ist ausgerufen worden, und unser geliebtes Land ist nun in den Händen  seiner eigenen Kinder. Zusammen, meine Brüder, meine Schwestern, werden wir einen neuen Kampf beginnen, einen großartigen Kampf, der unser Land zu Frieden, zu Wohlstand und Größe führen wird. Zusammen werden wir soziale Gerechtigkeit verwirklichen und sicherstellen, dass jeder die gerechte Entlohnung für seine Arbeit erhält. (Beifall)

Wir werden der Welt zeigen, was Schwarze tun können, wenn sie in Freiheit arbeiten, und wir werden alles tun, damit das, was wir im Kongo leisten, auf ganz Afrika ausstrahlt. Wir werden dafür Sorge tragen, dass Äcker und Wälder unseres Vaterlandes tatsächlich seinen Kindern zugute kommen. Wir werden alle Gesetze von früher überprüfen und neue verabschieden, die gerecht und würdig sind. Wir werden Schluss machen mit der Unterdrückung der Meinungsfreiheit und dafür sorgen, dass alle Bürger in den vollen Genuss der fundamentalen Freiheitsrechte gelangen, wie es in der Erklärung der Menschenrechte vorgesehen ist. (Beifall)

Wir werden wirksam Diskriminierung jeder Art abstellen und einem jeden seinen gerechten Platz  zuweisen, der ihm gemäß seiner Menschenwürde, seiner Arbeit und seiner Hingabe für unser Land zusteht. Der Frieden, der in unserem Land herrschen soll, soll nicht mit Gewehren und Bajonetten gesichert werden, er soll vielmehr aus dem Herzen und aus dem guten Willen der Menschen  kommen. (Beifall)

Und um all dies zu erreichen, liebe Landsleute, dessen könnt ihr sicher sein, werden wir nicht nur auf unsere großen Kräfte und unsere unermesslichen Reichtümer zählen können, sondern auch auf die Hilfe zahlreicher Länder, deren Zusammenarbeit wir annehmen werden, solange sie fair ist und man nicht versucht, uns eine Politik aufzuzwingen, welcher Art sie auch immer sein mag. (Beifall)

Belgien hat endlich den Lauf der Geschichte verstanden und nicht versucht, sich unserer Unabhängigkeit in den Weg zu stellen. So ist es bereit, im Bereich der Zusammenarbeit uns als Freund seine Hilfe zu gewähren, und es wurde in diesem Sinn zwischen unseren beiden gleichrangigen und unabhängigen Ländern ein Vertrag unterzeichnet. Diese Zusammenarbeit, dessen bin ich sicher,  wird für beide Länder von Nutzen sein. Wir von unserer Seite aus werden zwar wachsam bleiben, aber die aus freien Stücken eingegangenen Verpflichtungen mit Sicherheit einzuhalten wissen. So wird der neue Kongo, unsere geliebte Republik, die meine Regierung errichten wird,  nach innen und nach außen ein reiches, ein freies und ein erfolgreiches Land sein. Damit wir ohne Verzögerung dieses Ziel erreichen, wende ich mich an euch, Abgeordnete und Bürger des Kongo, und bitte ich euch alle, mir mit allen euren Kräften dabei zu helfen.

Ich bitte euch alle, die Stammesstreitereien zu vergessen, die unsere Kräfte aufzehren und dazu führen können, dass man uns im Ausland verachtet. Ich bitte die Minderheit im Parlament, meiner Regierung durch eine konstruktive Opposition zu unterstützen und strikt die legalen und demokratischen Wege einzuhalten. Ich bitte euch alle, vor keinem Opfer zurück zu schrecken, um den Erfolg unserer großartigen Unternehmung sicher zu stellen. Ich bitte euch schließlich, unbedingt das Leben und das Hab und Gut eurer Mitbürger und das der Ausländer, die sich in unserem Land niedergelassen haben, zu respektieren. Wenn die Verhaltensweise der Ausländer zu wünschen übrig lässt, wird unsere Justiz sie prompt aus unserer Republik ausweisen; wenn hingegen sie sich ordentlich verhalten, dann muss man sie in Ruhe lassen, denn auch sie arbeiten für den Wohlstand unseres Landes. Die Unabhängigkeit des Kongo ist ein entscheidender Schritt zur Befreiung des ganzen afrikanischen Kontinents. (Beifall)

Majestät, Exzellenzen, meine Damen und Herren, meine lieben Mitbürger, meine Rassenbrüder, meine Brüder im Kampf: das wollte ich Ihnen und euch sagen im Namen der Regierung an diesem herrlichen Tag unserer vollständigen und souveränen Unabhängigkeit. (Beifall)

Unsere Regierung, stark, national und volksnah, wird das Wohl dieses Volkes sein. Ich rufe alle kongolesische Mitbürger , Männer, Frauen, Kinder dazu auf, sich entschlossen an die Arbeit zu setzen, um eine blühende nationale Wirtschaft aufzubauen, die unsere ökonomische Unabhängigkeit sichern wird. Ehre den Kämpfern für die nationale Freiheit! Es lebe die Unabhängigkeit und die Afrikanische Einheit. Es lebe der unabhängige und souveräne Kongo! (Lang anhaltender Beifall)

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