Memorial

Der erste Beitrag im neuen Jahr 2022 soll die russische Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) beleuchten, die im Dezember 2021 in Russland verboten wurde. Gemäss Wikipedia hatte sich Memorial unter seinem Gründungsvorsitzenden Andrei Sacharow 1989 Folgendes auf seine Fahnen geschrieben: gesellschaftliche Organisation, Errichten eines Denkmals für die Opfer des Stalinismus. 1990, im Oktober wurde das Denkmal vor dem ehemaligen KGB-Gebäude, der Lubjanka, aufgestellt und eingeweiht. 1991 wurde Memorial als Menschenrechtsorganisation registriert. Weitere Ziele wurden angepeilt: der Besuch bei Gulag-Überlebenden, Aufzeichnen und Publikation deren Lebensgeschichten. Leider finde ich keine Statuten von Memorial. Materiell unterstützt wird Memorial von der Soros-Stiftung aus den USA, der Heinricht-Böll-Stiftung aus Deutschland, als auch von der UNHCR (Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen) und dem Europarat für die Beratung von Flüchtlingen.

In der Urteilsbegründung zum Verbot und der Auflösung von Memorial in Russland wurde angeführt, dass die Organisation in ihren Publikationen nicht darauf hingewiesen hätte, dass sie vom Ausland finanziert worden sei und gegen das Gesetz über „Ausländische Agenten“ verstossen habe. Nun darf man sicherlich davon ausgehen, dass etwa die Soros-Stiftung mit der Unterstützung gewisse Ziele verfolgt hat – Soros ist so reich, dass er früher das Britische Pfund und die Italienische Lira durch Spekulationen ins Wanken bringen konnte. Soros „investiert“ nicht, ohne dass es zumindest eine Umweg-Rentabilität gibt, das wollte ich hier deponiert haben. Reiche haben nichts zu verschenken, sie geben nur etwas her, um später eine Ernte einzufahren. Um hier aber konkret zu werden, fehlt dem Autor der Einblick in die genauen Beweggründe. Jedenfalls ist eine Destabilisierung immer gut, wenn man etwa in Rohstoffe eine Landes investieren will. Die Zukunft wird uns eines Tages den Weg des Geldes zeigen!

Eine Memorial-Jugendgruppe in St. Petersburg setzt sich gegen Rechtsextremismus in Russland ein. Ähnliche Organisationen existieren auch in Westeuropa, etwa in Deutschland. Ganz unbemerkt ist hier geblieben, dass verschiedene linksextremistische Delikte jene der Rechtsextremisten überholt haben. Wen wundert es, wenn man davon ausgehen darf, dass die Redaktionen führender Presseagenturen und der TV-Sender von links unterwandert wurden und die Berichterstattung dementsprechend linkslastig erfolgt und die Beteiligungen der linken Szene an Delikten verschwiegen werden. Aufklärung dazu bieten Statista und der Verfassungsschutzbericht – es ist eine traurige Bilanz!

Nun wollen wir uns aber der ursprünglichen Aufgabe von Memorial zuwenden: Erforschung der in der Ära des Stalinismus begangenen Verfehlungen. Im 20. Jahrhundert haben drei „erfolgreiche“ Menschenschlächter die Bühne betreten: Mao, Stalin und Hitler. Maos Kulturrevolution forderte Millionen von Todesopfern; wie transparent diese Zeit in China aufgearbeitet wurde, zeigen schon die Zahlen: so wirklich exakt kennt man sie nicht – man schätzt, dass der Weg Maos zur Macht mit rund 100 Millionen Toten gepflastert ist – und Mao gilt noch heute als Held und Befreier! Anders Hitler: man kennt seine Zahlen wesentlich genauer- man geht von 65-80 Millionen Toten aus, die der Zweite Weltkrieg gefordert hatte, davon 6 Millionen Juden, die systematisch vernichtet wurden. Hitler und die Deutschen wurden dämonisiert und sie müssen noch heute Abbitte leisten und werden mit materiellen Forderungen konfrontiert.

Die Geschichte Stalins beginnt nachdem der Zar entthront und Lenin 1924 verstorben war [bereits die Revolution ab 1917 und die Jahre des Roten Terrors forderten unter Lenin einige Millionen Todesopfer], und als er nach und nach den jüdischen Weggefährten Lenins, Leo Trotzki, als Abweichler und jüdischen Verschwörer entmachtet und 1929 exiliert hatte. Stalins Weg zur Macht zwischen 1922 und 1953 ist von Millionen Toten gesäumt; durch Säuberungen, Schauprozesse, Zwangsarbeit, Umsiedlungen in Gulags errichtet Stalin „seine“ totalitäre Diktatur. Er will aus der landwirtschaftlich orientierten Sowjetunion einen Industriestaat gestalten; durch Hungersnöte sterben dabei etwa sechs Millionen Menschen. Er will die Nomaden Kasachstans sesshaft machen, dabei verlieren etwa 1,5 Millionen Menschen ihr Leben. Politisch versucht Stalin mit dem modifizierten Marxismus und Leninismus, sprich Stalinismus, ganz im Westen Fuss zu fassen: Spanien wehrt sich in einem Bürgerkrieg unter General Franco gegen diese Strömung. 1936 wird die Stalin-Verfassung angenommen und Stalin säubert das Land abermals von allen Gegenspielern: von 1,5 Millionen Festgenommenen wird die Hälfte exekutiert. Der Hitler-Stalin-Pakt bringt eine gewisse Entspannung zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der kommunistischen Sowjetunion, führt aber 1939 in den Zweiten Grossen Krieg auf europäischen Boden und zur Aufteilung Polens zwischen Deutschland und Russland. Und dennoch: im Juni 1941 überfällt Hitler die Sowjetunion, um möglicherweise einem Angriff Stalins auf Westeuropa zuvorzukommen. Die Sowjetunion wird nun Mitglied der Alliierten, die gegen Hitler-Deutschland kämpfen; durch den Überfall der Japaner auf die US-Truppen in Pearl Harbour wird aus dem europäischen Konflikt ein Weltkrieg, an dessen Ende der Einsatz der US-Atomwaffen steht und vom „heissen“ Krieg in einen jahrzehntelangen kalten führt. Zuvor konnte Stalin bei der Aufteilung Europas ein gewaltiges Wort einlegen. 1938 betrat Lawrenti Beria die politische Bühne in der Sowjetunion: er wird rechte Hand Stalins, sprich sein Vollstrecker. Beria ist Sadist, zahlreiche Morde, Erschiessungen, das Massaker von Katyn, gehen auf sein Konto. 1941 steht Hitler vor den Toren Moskaus; Beria lässt tausende Gefängnisinsassen exekutieren, damit es keinen Aufstand geben kann. Die Zwangsumsiedlungen gehen unter Beria weiter und kosten Hunderttausenden das Leben. Jegliche Opposition in der Armee und in eroberten Gebieten lässt er durch Folter und Mord im Keim ersticken; in der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) lässt er Sonderlager einrichten. Unter Beria wird die Sowjetunion zur Atommacht. 1953 setzt er alles auf eine Karte: nach eigenen Angaben hat er am Abend des 28. Februar 1953 Stalin vergiftet.

Meine Rezeption: noch 1933 bedankt sich die halbe Welt bei Adolf Hitler, dass er den Bolschewismus bekämpft. Er schafft es sogar bis auf die Titelseite des Time-Life-Magazins. Und Hitler hat es leicht in Deutschland die Juden als Urheber allen Leids und als Feinde darzustellen, eigentlich ist es nur eine Wiederholung von Anschuldigungen, die es seit Jahrhunderten gegeben hat. Man misstraut dem Emporkömmling Stalin – man kennt zumindest stückweise seine Erfolgsgeschichte. – Nach 1945 meint Churchill „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“ und der hoch dekorierte US-Panzer-General Patton würde am liebsten mit der deutschen SS die Sowjet-Russen niederringen.

Vor kurzem erreicht Stalin in einer Umfrage bei fast 40% der russischen Bevölkerung hohe Sympathiewerte. All seine Massnahmen scheinen der russischen Bevölkerung gerechtfertigt zu sein – auch die Millionen Toten scheinen nur Kollateralschäden seiner Politik zu sein. Memorial wollte das ändern und den Helden der Sowjetunion entzaubern. Ob es wohl jemals gelingt? frägt…

…der Brandstetter

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