Postamt Absurdistan

Wer heutzutage einen Brief schreiben will, der tut sich oftmals schwer. Es scheint so wie bei einer Bank zu sein: bringen Sie uns Ihr Geld (möglichst bargeldlos), dann erledigen wir den Rest für Sie (gegen Gebühr). Bei der Bank ist das ja ordentlich organisiert (der Autor kennt nur diese Version), bei der Post hat es oftmals einen Haken – oder mehrere: neben Papier, Schreibzeug und Kuvert benötigt man Briefmarken und einen Briefkasten. So mancher Abgelegene kann ein Lied davon singen, wenn er einen Brief aufgeben will.

Will man einen Brief "los" werden und man nach längerer Wartezeit beim Postamt zur "Marke kommt" (oder man sich einen grösseren Vorrat kaufen will), ist die Sache bei uns noch nicht ausgestanden. Im allgemeinen wollen die Postler ja lieber einen gedruckten Zettel zur Freimachung aufkleben (Pickerl [Briefmarkenersatz] und Rechnung [braucht die wer?] kommen unter einmal aus dem Drucker – und abends die Abrechnung ebenfalls). So will und kann die Post Personal einsparen, die Schlangenbildung ist ihr zu Stosszeiten egal. Unsere Postfiliale ist in einem Einkaufszentrum (Gratisparkplätze) und wenn dann einer der Händler seine Verkäufe aufgibt, heisst es "rien ne va plus!" 

Bei der Briefzustelleng sind wir im Bereich A-6706 geplagt worden, weil der Briefträger oftmals ausblieb. Es wurden Zusteller entlassen, Gebiete zusammengelegt und die restlichen Briefträger, die unter Stress arbeiteten, kündigten. Die nahe Schweiz wirkt wie ein Magnet auf Eisen! Irgendwann wurden Ferialkräfte eingestellt, die in einer späteren Kündigungswelle gingen, wie sie kamen. Dann wurden Ausländer eingestellt, die irgendwann nicht mehr kamen. Nach und nach erkannte der Postfuchs, dass man mit Menschen anders verfahren muss. Es wurden dann Geheimagenten aus Wien (ja wirklich!) der Post ausgesendet, um die Missstände aufzudecken. Nach und nach kamen Briefträger aus anderen Bundesländern zu uns [Entwicklungshilfe] und nun funktioniert die Briefzustellung wieder sehr gut.

Nun haben wir die Bedarfspost bei uns beleuchtet – also Post, die wir für das Transportieren von Informationen benötigen – gegen Bezahlung. Jetzt wollen wir noch eine andere Form der Post ansprechen: die Sammlerpost. Es ist unbestritten, dass die Briefmarken kleine Kunstwerke sind. Diese wurden und werden gesammelt und stellen einen Wert dar – die "Aktie des kleinen Mannes" kam in Folge nach 1980 ins Trudeln, weil Angebot und Nachfrage sich irgendwenn einpendelten – nach oben oder vor allem unten. Die Markenwerte kamen in eine Abwärtsspirale, denn die Post meinte, dass mehr verschiedene und höhere Auflagen von den Markensammlern (vulgo Philatelisten) akzeptiert und auch gekauft würden. Das Gegenteil war der Fall: der Nominalwert ist ein Wert, der mit Marken nicht mehr erzielt werden kann; das heisst man bekommt nicht einmal den Preis, den man für eine Marke bezahlt hat, zurück. Post, Briefmarkenhändler, Vereine meinten, dass dieser Absturz, nie möglich würde – seit den 1980er-Jahren ist dies aber Realität geworden. Der Übergang von Schilling auf €uro bewirkten in Österreich ein Weiteres. Wir österreichischen Bürger wurden zudem im Vergleich zu Bürgern anderer €uro-Staaten über den Tisch gezogen (vulgo beschissen), denn in Frankreich und anderen €U-Staaten sind die alten Marken noch immer gültig. Diese Bürger können dort immerhin den Nominalwert abzüglich Inflationsrate erzielen. 

Und dann kommt ja noch etwas bei der Sammlerpost dazu: die Motivation der Postler. Über die verfügen manche Postler einfach nicht – wie sonst könnte es sein, dass man eben diese kleinen Kunstwerke auf Briefen "misshandelt". Ein Beispiel – aus dem vergangenen Monat – eines von vielen (es scheint das Postamt 6000 [Verteilzentrum Hall in Tirol] zu sein): 

Liebe Postler – so macht Ihr Euch unbeliebt! Ein Lebensmittelhändler in Deutschland hat als Slogan "Wir lieben Lebensmittel" – nicht immer wird es einfach sein, nervigen Kunden einen linksgedrehten Joghurt mit dezentem Ananas-Geschmack zum Sonderpreis zu präsentieren. Aber schlagen die geduldigen Verkäuferinnen deshalb ein Loch in die Abdeckung? 

Warum liebe Post und liebe Postler – warum gibt es nicht endlich den analogen Werbeslogan "Wir lieben Briefmarken!" – eigentlich wäre es "logo" (hdt. logisch), man muss den lästigen Kunden am Schalter nicht mögen, aber müssen es dann die Briefmarken büssen?


Interessant ist auch die Kombination RO bei der österreichischen Post. Gibt man einen Einschreibebrief auf, so erhält man einen schönen Beleg zur Sendungsverfolgung. Dies geschieht miitels der eingedruckten Sendungsnummer. Diese lautet zB RO501501501 [in Worten: ERO…] und nicht wie aufgedruckt R0 [in Worten: ERNULL…] –  Verfolgt man zuhause eine Sendung am Computer, schreibt der Postfuchs dann "Ihre Sendungsnummer beginnt mit RO. Bitte geben Sie an der 2. Stelle anstatt der Zahl "0" den Buchstaben "O" ein." Ja bin ich denn plemplem…? Lieber Postfuchs: könnte man da nicht RR oder RT oder RX nehmen.    


Und dann muss ich hier an dieser Stelle eine zweite Sache anbringen: das Problem mit dem Copyright. Offensichtlich werden die Künstler und Markengestalter für ihre Kunstwerke zu wenig entlohnt.

Österreich: 

Die Post in Österreich gibt "Editionen" heraus, deren Marken einem Copyright unterliegen. Alle anderen Marken sind "gemeinfrei" (Danke!).

 

Deutschland:

Früher, als die deutsche Post noch ein Staatsunternehmen war (die Post gehörte dem Staat,  also den Bürgern), da war es anders: die Verwendung einer Marke zur Präsentation (Werbung oder Verkauf) war gemeinfrei, das heisst man durfte und darf noch heute dieses Kunstwerk abbilden oder im Internet zeigen. Heute, da die Post in Deutschland privatisiert ist (AG), geht das nicht mehr.

In Deutschland ist es heute aber noch wesentlich komplizierter: Eine Anfrage beim deutschen Finanzministerium brachte folgende Antwort [immerhin wird geantwortet, die kanadische Post lässt sich bis heute auf eine Antwort warten]: herzlichen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an den deutschen Briefmarken. Beim Abdruck von Briefmarken aus Deutschland sind nach dem deutschen Urheberrecht grundsätzlich zwei Genehmigungen einzuholen: zunächst die des Herausgebers und dann die des Schöpfers der Marke: Die erstgenannte Genehmigung kann  Ihnen das Referat Postwertzeichen im Bundesministeriums der Finanzen dann gerne erteilen, wenn die jeweiligen benannten Abbildungen Ihrer Beschreibung nach keinen kommerziellen Zwecken dienen.  Danach müssten Sie sich gesondert an den Grafiker der Marke wenden. Sofern dieser Ihnen die Genehmigung zur Verwendung erteilt, ist zu klären, welchen Urhebervermerk er wünscht und ob bei der Gestaltung der Marke ggf. Rechte Dritter zu beachten sind (z. B. bei der Verwendung von Fotos etc. für die Briefmarkengestaltung). Beim Abdruck der Marke muss das Postwertzeichen zur Missbrauchsvermeidung entweder vergrößert  (>125%) oder verkleinert (<90%) gegenüber dem Original wiedergebeben werden.  Die Daten der Grafiker sowie eine Datei der Marke kann Ihnen ggf. die Museumsstiftung Post und Telekommunikation zukommen lassen; Ansprechpartnerin dort ist Frau Imme Hase (i.hase@mspt.de <mailto:i.hase@mspt.de> ) oder Frau Katja Reuter (k.reuter@mspt.de <mailto:k.reuter@mspt.de> ). Der Bezug einer Bilddatei von dort ist kostenpflichtig. Näheres kann Ihnen sicherlich Frau Hase mitteilen. Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. 

Und spätestens jetzt, kommt der Entschluss, für die Darstellung einer Marke (um damit Werbung für Briefmarken zu machen) spätestens jetzt also, kommt der Entschluss, auf Marken einer Bananenrepublik zurückzugreifen…

…meint "Der Brandstetter"


 

Copyright von Briefmarken in anderen Ländern

wer mehr zur Arbeit der Postler erfahren möchte, kann mein Exponat Nachträglich entwertet besichtigen

  

    

      

 

Written by

No Comments Yet.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

Zurück nach Oben!