Der Lügenfritz – die Geschichte Namibias

(C.M.Brandstetter)

Am 16.04.1834 erblickt Adolf Lüderitz in Bremen als Sohn eines wohlhabenden Tabakhändlers das Licht der Welt. 1851 beginnt er eine Lehre im Geschäft des Vaters. 1854 reist er in die Südstaaten, um den Tabakanbau zu erlernen. Nächstes Ziel ist eine Farm in Mexiko. Sie wird in den Wirren der Revolution zerstört. 1859 kehrt er verarmt nach Bremen zurück und heiratet 1866 in die reiche Familie Lingen ein. 1878 stirbt der Vater des bisher erfolglosen Herrn Lüderitz junior – Ein Versuch um 1881 in Lagos Fuss zu fassen scheitert an den bereits dort handelnden Engländer. Im Bereich von Südwest-Afrika hat sich noch keine Kolonialmacht angesiedelt. Lüderitz‘s Gesandter Vogelsang reist 1882 nach Kapstadt. Der Missionar Hahn rät zur Inbesitznahme der „Kleinen Bucht“. 1883 gibt es erste Unterkünfte. Der Vertrag mit dem Eingeborenen Kaptein Frederic über einen ersten Landkauf wird in „Meilen“ abgeschlossen. Lüderitz besteht auf „Deutsche“ Meilen. Sie sind länger! Ein weiterer Vertrag sichert Lüderitz das Land zwischen dem 26. Breitengrad und dem Oranje-Fluss zu. Auch dieser Vertrag ist in ungenauen „Meilen“ geschlossen. Lüderitz bekommt nun den Spitznamen „Lügenfritz“. 1886 ertrinkt Lüderitz im Oranje-Fluss. Die Meinung über Lüderitz reicht von „Wegbereiter des ersten Genozids“ bis „liebenswertes Schlitzohr“.


Das Exponat erregte in philatelistischen Fachkreisen die Gemüter, denn dem Autor wurde nichts gerigeres als "Geschichtsklitterung" vorgeworfen. Diese Vorwürfe konnten entkräftet werden. Nun nach Jahren meldet sich Lüderitz persönlich zu Wort – mittels Brief, auf den ich in der Deutschen Briefmarken-Zeitung (DBZ) gestossen bin. Dieser Brief wird beim Württembergischen Auktionshaus am 8. bzw. 9 November 2019 versteigert. Beide Institutionen haben mir erlaubt sowohl den Text als auch die Abbildung des Briefes zu übernehmen und hier zu zeigen [Mail 30.X.2019]. Besten Dank! 

Der Meilenschwindel

Am 1. Mai 1883 schloss der Bremer Kaufmann Heinrich Vogelsang im Auftrag von Franz Adolf Eduard von Lüderitz mit dem  Nama-Kaptein Joseph Frederiks II einen Vertrag über den Erwerb der Bucht von Angra Pequena und fünf Meilen Land im Umkreis. Bewusst ließ er dabei offen, ob deutsche oder englische Meilen gemeint waren. Auch ein zweiter Vertrag vom August 1883 ließ die Frage offen. „Lassen Sie Joseph Fredericks aber vorläufig in dem Glauben, daß es 20 englische Meilen sind“, wies Lüderitz Vogelsang an. Als sein Gegenüber schließlich erklärte, dass er von englischen Meilen ausgehe, umgerechnet 1,6 statt 7,5 Kilometer, tat Lüderitz sehr erstaunt. In die Geschichtsbücher ging dies als „Meilenschwindel“ ein und Lüderitz bekam im Volksmund den Namen „Lügenfritz“. 1883 wollte Reichskanzler Otto von Bismarck noch keinen nennenswerten staatlichen Schutz für das Gebiet bewilligen. Seine Meinung änderte er im Folgejahr, als die Briten die gesamte Küste Südwestafrikas in Besitz nehmen wollten. Nach einem Brief von Lüderitz wies Bismarck den deutschen Konsul in Kapstadt an, zu erklären, dass Lüderitz „und seine Niederlassungen unter dem Schutz des Reiches stehen.“

Auf der kommenden Versteigerung des Württembergischen Auktionshauses am 8. und 9. November kann ein Kolonial-Spezialist seine Sammlung um den gut erhaltenen Brief von Lüderitz ergänzen.             Tb

Adolf Lüderitz’ Brief bei Württembergisches Auktionshaus

Nach Adolf Lüderitz’ Brief erkannte Otto von Bismarck die Kolonie Südwestafrika offiziell an (Württembergisches Auktionshaus).

Zum Exponat

 Adolf Lüderitz gains "lie buddy" (Lügenfritz) as a nickname, underlying his different scams. His ongoing shortage of money leads to hoisting the flag of the German Reich in German South-West Africa in 1884. In 1886 Lüderitz drowns in the Orange-River (Oranje) und stays missing. Between the years 1904 and 1908 – after Lüderitz' death – infringements against the in German-South-West Africa living Natives Nama and Herero take place. All troops were under the lead of Lothar von Trotha. The exhibit turns out to be very topical because of an article in the German "Spiegel" in 2016, because of the current discussions throughout, that deal with the genocide, which cannot have been executed in the form, that it has been recorded in all history books. Thoughts of this kind do not correspond to the historical course!

The exhibit aroused the emotions of philatelic experts, for the author was accused of nothing less than "historical fragmentation". These accusations could be refuted. Now, years later, Lüderitz speaks up personally – by letter, which I came across in the Deutsche Briefmarken-Zeitung (DBZ). This letter will be auctioned at the Württemberg Auction House on 8 and 9 November 2019 respectively. Both institutions allowed me to take over the text as well as the illustration of the letter and to show it here [Mail 30.X.2019]. Thank you very much!

The mileage fraud

On 1 May 1883, on behalf of Franz Adolf Eduard von Lüderitz, the Bremen merchant Heinrich Vogelsang concluded a contract with the Nama Captein Joseph Frederiks II for the acquisition of the Bay of Angra Pequena and five miles of land in the vicinity. He deliberately left open whether German or English miles were meant. A second treaty of August 1883 also left the question open. "But let Joseph Fredericks believe for the time being that there are 20 English miles", Lüderitz Vogelsang ordered. When his counterpart finally declared that he was assuming English miles, the equivalent of 1.6 instead of 7.5 kilometers, Lüderitz was very surprised. This went down in the history books as "mileage fraud" and Lüderitz was given the popular name "Lügenfritz". In 1883 Chancellor Otto von Bismarck did not want to grant any significant state protection for the area. He changed his mind the following year, when the British wanted to take possession of the entire coast of South West Africa. According to a letter from Lüderitz, Bismarck instructed the German consul in Cape Town to declare that Lüderitz "and its settlements are under the protection of the Reich".

At the coming auction of the Württemberg Auction House on 8 and 9 November, a colonial specialist can add the well-preserved letter from Lüderitz to his collection.             TB

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