Stechmücken

© Clemens M. Brandstetter

Untertitel: Blutsaugende Mücken (Gnitzen, Stechmücken, Kriebelmücken, Sandmücken)

Schlüsselbegriffe: Mücken, Stechmücken, Kriebelmücken, Mückenstich, Bekämpfung.

Mücken können lästig werden, vor allem, wenn sie in Massen auftreten. Ich kann mich noch an einen Juni-Nachmittag am Bodensee erinnern – militärisches Übungsgelände – Zutritt verboten – für Menschen. – Ja, für Menschen, aber nicht für Mücken. So schnell war ich noch nie aus einem Übungsgelände verschwunden – nicht einmal aus schulischem! Damals stürzten sich überfallsartig hunderte von Mücken auf mich… 

Nun liest man hin und wieder in Zeitungen, dass sexuell müde Leute von Mücken gestochen werden, dann wieder liest man ein paar Tage später, dass genau das Gegenteil der Fall sei. – Egal, auf mich stürzen sich die Tiere immer – ausser es sei die beste Ehefrau von allen gemeinsam mit mir unterwegs, dann bekommt sie die Plagegeister ab. Es gibt also doch irgend einen Faktor, der den Mücken unser Blut schmackhaft macht. 

Nicht alles, was nach Mücke aussieht, ist auch ein Vampir. Es gibt verschiedene Familien, Gattungen und Arten von Mücken, die bekannteste etwa die der Gattung Anopheles (Abb. 1). Innerhalb der Nematocera (Mücken) gibt es etwa 20 verschiedene Mückenfamilien, bekannt sind etwa Pilzmücken, Gallmücken, Gnitzen oder eben die Stechmücken (Culicidae).

Weltweit gibt es weit über 3.000 Stechmücken-Arten, in Mitteleuropa sind es immerhin noch über 100 Arten. Grund genug, hier über die bekanntesten Arten zu sprechen: im Volksmund haben sie teilweise andere Namen – Gelsen, Staunsen, Stanzen und aus dem spanischen gibt es den Begriff "Moskito". In manchen Regionen Süddeutschlands gibt es den Begriff "Schnake" für Mücke; Schnaken im wissenschaftlichen Sinn, sind grosse Mücken (Tipulidae), die allerdings nicht stechen können. Nur vier Arten der Gattung Aedes sind für die Gelseninvasionen Ostösterreichs zuständig. Betrachte man diese vier Arten detailliert, stelle sich heraus, dass diese vier Arten vor allem im Kulturland vorkommen und sich nach starken Regenfällen dramatisch in allen Lebensräumen stark vermehren können, so der österreichische Mücken-Spezialist Bernhard SeidelZu diesem Kulturland zählt Seidel etwa auch Straßen und künstliche Gräben, Eisenbahnbauten und nicht zuletzt Hochwasserschutzeinrichtungen auch in Naturschutzgebieten. "Beim Bau solcher Einrichtungen wurde und wird auf alles Mögliche Rücksicht genommen, nur nicht auf Stechmücken", bemängelt der Forscher. 

 

Abb. 1: Mücke der Gattung Anopheles, Prov. Mailand – Foto: Franco Fiaschi. 

Wir bleiben hartnäckig (wie die Stechmücken) bei eben diesen. Denn es interessiert uns nun, wie können wir einen Stich verhindern. Da gibt es zunächst die Jahreszeit: im Winter gibt es bei uns keine Mücken, auch in trockenen Regionen nicht, und auch dort nicht, wo keine Möglichkeiten zur Eiablage in stehendes Wasser besteht. Wer also übermässige Reaktionen nach einem Mückenstich zeigt, wie etwa der Verfasser dieser Zeilen, der verzichte auf Besuche Skandinaviens während der Sommermonate oder des Bodensee-Gebietes, wo es noch naturbelassen ist, wenn es zudem noch warm und schwül ist. Bemerkenswert ist, dass die bei uns heimische Mücke vor allem während der Dämmerung aktiv ist. Die neuerdings auch bei uns angekommene Tigermücke (Abb. 2) kennt keine "Ladenschlusszeiten", sie ist permanent aktiv!

Abb. 2: Tigermücke – Aedes albopictus – Prov. Bologna. Foto: Salvatore Caiazzo.

Nun lassen sich mitunter Besuche bei lieben Verwandten und Bekannten nicht immer auf die Mittagszeit verlegen und es erhebt sich die Frage, wie man sich etwa in der abendlichen Dämmerung vor Mückenstichen schützen kann. Da ist zunächst die Kleidung: wer soche Besuche halbnackt macht, der wird nicht ungestochen davon kommen. Deshalb: eine lange, nicht eng anliegende Hose aus dickem Stoff für solche Besuche wählen – geschlossene Schuhe, notfalls dicke Socken. Wer seinen Nacken und Handrücken schützen will, der sollte immer eine Zitrone griffbereit haben. Den Duft des Zitronensaftes lieben Mücken nicht, der wirkt sich aus, wie Knoblauch in Vampirgebieten! 

Manches Mal muss man sich in Innenräumen vor den Plagegeistern schützen – etwa Hotelzimmer: wenn man abends zu Bett geht, suche man die Zimmerdecke nach Mücken ab – es ist ein beliebter Landeplatz – den sie in der morgendlichen Dämmerung verlassen und einem den Schlaf in diesen Stunden ganz ordentlich vermiesen könnnen. Ich rate da zur Waffe: ein feuchtes Handtuch wirkt Wunder, je höher die Räume, desto nasser soll man es machen, das erhöht die Reichweite und Treffsicherheit.

Wer im Mückengebiet lebt und dennoch während der Nachtstunden ein offenes Fenster liebt, der wird um die Anschaffung eines Moskitonetzes nicht herumkommen. Man wähle es ordentlich gross, sodass man bei unruhigem Schlaf nicht in die äussere Stichzone gelangt.

Noch ein Wort zum Gartenteich: manche Zeitgenossen wollen darauf nicht verzichten und das ist gut so. Ich selbst plädiere allerdings dafür, dass man sich für die Erhaltung der natürlichen Biotope in der Umgebung einsetzt, dann benötigt man keinen eigenen nassen Lebensraum im Garten. Stehende Gewässer sind Brutstätten für Mücken, also soll man darauf achten, dass auch die Feinde der Mückenlarven zahlreich im Wasser leben können. Viele Teichbesitzer neigen dazu, ach so schöne Goldfische einzusetzen. Das ist kontraproduktiv, denn Libellenlarven – die erfolgreichsten Mückenlarvenjäger – aber auch Schwimmkäfer haben in Teichen mit Goldfischbesatz keine Chance zu überleben. Seriöse Gärtner geben übrigens auch Auskunft über Pflanzen, die Mücken nicht wirklich gern haben. Viel problematischer sind vergessene und nicht abgedeckte Regentonnen, Kübel im Freien, Dosen und andere Behältnisse, in denen sich die Mückenlarven (Abb. 3) entwickeln können. Mückenlarven sind übrigens wesentlich umweltfreundlicher zu bekämpfen als die Mücken selbst, denen man nur mit Pestiziden beikommen kann, die auch die natürlichen Feinde der Mücken dezimieren.Und man sollte bedenken, dass ein Weibchen der Mücken rund 300 Eier ablegen kann.   

Abb. 3: Larven (Culex oder Aedes) nutzen die Oberflächenspannung (Foto: Filippo Bortolon).

Nun haben wir über die Verhinderung von Mückenstichen gesprochen. Was kann man tun, wenn das schier Unmögliche eingetreten ist. Ein solches Biest hat es geschafft unsere Vorsichtsmassnahmen auszutricksen und unser Radar zu unterfliegen, die schlagfertige Hand hatte andere Beschäftigungen und nun – Stich! Meist merken wir gar nicht, wie sich die Tiere auf unsere Haut setzen, ihren Rüssel auspacken und unsere Haut durchbohren – damit unser Blut nicht stockt und gerinnt und im feinen Rüsselsystem flüssig bleibt – pumpen die Mücken zunächst ein Protein in ihren – nun auch – unseren Stich und können nun das Blut aufsaugen – es ist wie eine Art von Fracking. Natürlich bleiben wie beim Fracking Giftstoffe – sprich Mückenprotein – bei uns zurück – und das führt zunächst zu Juckreiz, später meist zur Quaddelbildung samt Juckreiz – je nachdem wie viel Histamin unser Körper der Einstichstelle zuführt. 

Für manche – auch für den Autor – beginnt nun eine Zeit des Fluchens und Verwünschens, nicht wegen der Quaddel, sondern weil der Juckreiz – je nach Stichstelle – auch zu schmerzen beginnt, speziell an Übergängen von harter Haut zur eher dünneren. Was kann man nun tun? Zwiebelsaft kann helfen, die uns schon bekannte Zitrone, Kühlen, Lehm auflegen, Essig. In dieser Zeit helfen Tipps von Dritten am allerwenigsten! Wer auf Hausmittel gerne verzichtet frage Arzt oder Apotheker. Auf eine mechanische Bekämpfung des Juckreizes sei noch verwiesen: durch Massieren der Stichstelle kann man das Protein verteilen, die Intensität des Juckreizes kann nachlassen; kann, muss aber nicht. Ich neige oft dazu, mit einem Fingernagel so lange herumzudrücken bis die Haut so weit perforiert ist, dass ich Lymphwasser ausdrücken kann. Abzuraten ist dies Personen mit schmutzigen Fingernägeln und Personen, die mit einer solchen Verletzung im Dreck aller Art wühlen. Man muss Hochprozentiges bereithalten, um die Wunde zu reinigen und sehr empfohlen ist nun Propolis oder Aloe vera mit einem Wundpflaster. – Manche Leute haben übrigens nach einem Mückenstich keinerlei Reaktion – wahrscheinlich haben sie einen erheblichen Histaminmangel! 

Wer eine Reise in südliche Länder oder gar in die Tropen antritt, sollte sich unbedingt kompetent beraten lassen, ob überhaupt und falls ja, welche Vorsichtsmassnahmen geboten sind. Wahrscheinlich – aufgrund der Klimaänderung und der stetig zunehmenden Reisebewegungen breiten sich durch Mücken übertragene Krankheiten weiter aus und Mücken werden gegen bestimmte Gifte resistent. Laut WHO gibt es weltweit jährlich rund 600.000 Tote durch Malaria-Fieber, 90% davon sind afrikanische Kinder unter 5 Jahren. Die Stiftung Warentest (Heft 02/2015) berichtet von 580.000 Toten im Jahre 2013 und rund 128.000.000 Erkrankungen. Die Stiftung empfiehlt Moskitonetze und Mückensprays mit dem Wirkstoff DEET. Jedem Fernreisenden seien die Hinweise der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin ans Herz gelegt.

Mücken sind lästig oder sogar problematisch. Deshalb werden sie in manchen Gebieten – auch in Mitteleuropa – flächendeckend bekämpft. Die Trockenlegung von Sümpfen hat man bereits im Altertum begonnen und wird noch heute fortgesetzt (bei uns oft nicht wegen der Mücken sondern aus Gründen der Flurbereinigung), Öl auf Wasserflächen wird ebenfalls noch angewendet und ist sehr umstritten (die Larven ersticken unter dem Ölfilm), in Entwicklungsländern wird DDT ausgebracht, das bei uns schon lange verboten ist. Am Oberrhein versucht man die Bekämpfung der "Rheinschnake" mittels BTI (Bacillus thuringiensis israelensis). 

In Italien ist die Tigermücke bereits in vielen Gebieten heimisch geworden. Wahrscheinlich kam sie als blinder Passagier mit Autoreifen, in denen stehendes Wasser gelagert war, aus Vietnam nach Italien. Gefährlich ist sie durch die Möglichkeit der Übertragung des Gelbfiebers in unseren Breiten. Sie wird daher lokal intensiv bekämpft. Es gibt bereits Gemeinden in denen nicht nur über die Gefährlichkeit dieser Mücke aufgeklärt wird, sondern auch darauf geschaut wird, dass keine Behältnisse offen herumstehen, in denen die Tiere sich massenweise vermehren. Die Entwicklungsdauer ist mit etwa zwei Wochen sehr kurz. Die Eier überdauern auch Trockenperioden, als Frassfeinde kommen dann vor allem Ameisen der Gattung Solenopsis und Marienkäfer in Frage.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Massenauftreten von Mücken einhergeht mit dem Grad der Naturferne eines Lebensraumes (Bernhard Seidel). Sprich: im Kulturland gibt es immer wieder Stellen, an denen sich Mücken ungehemmt massenhaft vermehren können.

Kriebelmücken (Simuliidae) sind ganz besondere Mücken. Wie bei anderen Mücken auch stechen nur die Weibchen, sie setzen allerdings einen Probestich und analysieren in ihrem "Labor" das Gefundene: enthält es Adenosindiphosphat (ADP) oder Adenosintriphosphat (ATP) so setzen die winzigen Vampire (sie sind nur zwei bis drei Millimeter gross) den Saugvorgang fort. In die Wunde sondern sie Histamin ab, was zu pseudoallergischen Reaktionen führen kann. Auf dem Balkan gibt es eine Art (Simulium colombaschense), die hin und wieder massenhaft Weidetiere überfallen;  dies kann zum Tod führen, weil die Gestochenen in Panik geraten. Generell sollte ein Kriebelmückenstich behandelt werden, eine Erstversorgung durch Desinfektion der Stichstelle ist sinnvoll. Zudem helfen Arzt und Apotheker weiter.

Kriebelmücken erobern nach und nach Ost-Österreich. Als Grund gibt Bernhard Seidel die sich permanent verbessernde Wassergüte der österreichischen Flüsse in den Tallagen an. Die Kriebelmücken-Larven bevorzugen halbwegs saubere Fliessgewässer, da sie den Sauerstoff über kiemenähnliche Organe aufnehmen (zum Unterschied zu den Stechmücken (Culicidae), die den Sauerstoff aus der Atmosphäre konsumieren).

Abb. 4: Kriebelmücke aus Toano, Prov. Reggio Emilia – Foto: Giancarlo Medici.   

Gnitzen, auch Bartmücken (Ceratopogonidae) genannt, hingegen werden höchstens zwei Millimeter gross. Männchen wie Weibchen ernähren sich von Pflanzensäften; die Weibchen mancher Arten haben sich auf das Blutsaugen spezialisiert. Sie rufen nach dem Stich beim Menschen meist sich endzündende und schmerzhafte Quaddeln hervor. An den Rändern von Kleidungsstücken auf der menschlichen Haut gibt es durch Spannungen Stellen, an denen die Haut gedehnt wird und dort dünner ausgebildet ist: das sind beliebte Stellen, an denen die Gnitzen-Weibchen die menschliche Haut durchbohren.

Abb. 5a: Gnitzen-Mann aus Umg. von Avigliana, Prov. Torino – Foto: Vincenzo Di Taddeo. 

Abb. 5b: Gnitzen-Weib ebenfalls Avigliana, Torino – Foto: Vincenzo Di Taddeo. 

Gnitzen sind verantwortlich für die Blauzungenkrankheit, es handelt sich dabei um eine virale Infektion von Ziegen, Rindern und Schafen. Ab 2006 taucht diese Krankheit in den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf. Ab 2008 gibt es Infizierungen in ganz Europa. Ab 2012 sind die Tiere in Deutschland wieder frei von der Seuche. 

Eine sehr informative Broschüre über die Stechmücken unter dem Titel "Le Zanzare" findet sich in italienischer Sprache hier. Neuerdings können auch Sie, ja Sie, am Deutschen Mückenatlas mitarbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

  

  

 

 

 

       

 

                     

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