Briefmarken sammeln – aber wie?

Der Briefmarkensammler – einst und morgen…

Briefmarken erfreuen sich wieder einer gewissen Beliebtheit. Wobei man durchaus zwischen Wertanlage und Zeitvertreib unterscheiden soll. Die einen wollen sich ein Statussymbol in den Tresor legen oder mit Briefmarken oder Briefen ihre Form der Geldanlage „streuen“ – sozusagen für den Fall der Fälle. Diese erste Art des Sammelns hat meist nichts mit Interesse oder Forschung zu tun, es fehlt ihr die kaum beschreibbare Leidenschaft des Jagens nach Unikaten, unbekannten Plattenfehlern oder selten verwendeten Stempeln. Das Ziel nach Vollkommenheit einer Sammlung von Briefmarken eines Landes von der Katalognummer 1 bis 1346 erschöpft sich irgendwann, wenn man genügend Geld besitzt und dieses auch bereit ist, auszugeben. Irgendwann ist Schluss, insbesondere dann, wenn die Ausgabepolitik eines Landes oder einer Postanstalt nur mehr vom wirtschaftlichen Ertrag geleitet wird.

Um diesem Frust zu entgehen, seien hier ein paar Formen des Sammelns beschrieben, die nicht nur von den materiellen Gegebenheiten abhängen, sondern insbesondere von der Phantasie des Sammelnden, von seinen Interessen und seiner Wissbegierde.

Unklar bleibt, ob eine deutsche Marke Allgemeingut ist (gemeinfrei).

Der Briefmarken-Auktionator zu einem seiner Einlieferer: „Nicht wahr, Sie empfehlen mich doch in Ihrem Bekanntenkreis weiter?“ „Ja, sehr gern, nur weiß ich im Moment niemanden, gegen den ich etwas habe.“

Kulturgut Briefmarke

Briefmarken dienen nicht nur dem Freimachen von Postsendungen, sondern sind zugleich auch ein Mittel staatlicher Repräsentation: Sie spiegeln sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit als jährliches Markenprogramm die kulturelle Vielfalt eines Landes und den Zeitgeist wider und weisen auf herausragende Ereignisse und Persönlichkeiten sowie auf allgemein Wissenswertes hin. Die Briefmarke ist insoweit eine Botschafterin des jeweiligen Landes. Daneben ist sie bereits als Trägermedium für sich betrachtet ein Kulturgut mit langer Tradition. Die Briefmarke ist daher gleichermaßen Postwertzeichen und Kunstwerk. Aufgrund ihrer Historie stellt sie nicht zuletzt auch ein beliebtes Sammlerobjekt dar (Entnommen der Homepage des Bundesministeriums der Finanzen).

Bei genauer Betrachtung findet man viele künstlerische Aspekte.

Ein Mann kommt in die Post und verlangt eine 55-Cent Briefmarke: „Aber machen sie bitte den Preis ab!“ sagt er zu dem Postler, „Es soll ein Geschenk sein.“

Das Sammeln von Motiven

Motive sind unerschöpflich – zahllos, wie Sand am Meer. Bleiben wir bei diesem Motiv: Sand und Meer, die Bewohner in Küstennähe, der bunte Bewuchs unter Wasser, die Korallenbänke mit den farbigen Fischen. Man könnte damit jedem Aquarianer Konkurrenz machen, man muss weder Wasser wechseln, noch die Arbeit der Fensterputzer kontrollieren oder täglich füttern. Und man könnte sich ein grosses Wissen dazu aneignen, Thesis und Antithesis der Gefahren für die Unterwasserwelt aufgrund des Klimawandels nachvollziehen. Oder denken wir nur an die Welt der Pflanzen in den Anden: wir können uns die Flora ins Wohnzimmer holen, unseren eigenen Botanischen Garten auf Marken zusammenstellen, die Wälder, die Kakteen, die Wechselwirkungen der Pflanzen untereinander – es wäre dies eine Welt, die in der Realität noch nicht gänzlich erforscht ist, denn gerade in den Tropen sterben die Arten bevor sie entdeckt werden. 

Werden Sie virtueller Imker und schmücken Sie Ihr Album mit duftenden Blumen.

Frage an Radio Eriwan „Hallo, gibt es in der Sowjetunion eine Postüberwachung?“ – Antwort: „Im Prinzip nein! – Briefe mit anti-sowjetischem Inhalt werden jedoch nicht befördert!“

Das Nachzeichnen des Weges eines Künstlers

Die Stecher von Briefmarken sind mit ihrem Namen meist auf den Marken verewigt. Gefällt uns eine bestimmte Machart von Marken besonders gut und können wir sie einem bestimmten Stecher zuordnen, so könnten wir versuchen seinen künstlerischen Weg anhand der gestochenen Briefmarken im Laufe der Jahre nachzuvollziehen. Wir werden feststellen, dass es eigenwillige oder sich das Schilf im Winde bewegende Künstler gegeben hat, manche haben ein Leben lang ihren Stil beibehalten, andere passten sich an oder ihre Arbeiten endeten abrupt – nicht nur durch ihr Lebensende.

War hier ein Künstler am Werk – jedenfalls ein Podologe würde sich freuen!

Corona-Update: Auch Briefträger arbeiten jetzt im Home-Office. Sie lesen alle Briefe und wenn was Wichtiges drin steht, rufen sie dich an!

Die Heimatsammlung

Wer kann behaupten, seine Heimat gut zu kennen – es gibt immer mehr als Wikipedia-Wissen. Da gibt es zunächst all die Stempel, die über Jahrhunderte abgeschlagen wurden. Perfins und Freistempel von Firmen, vielleicht sogar eigene Briefmarken. Sehr dekorativ sind natürlich Vorphila-Briefe mit besonderen Vermerken, Stempeln und Siegeln. Man kann sich hier von den Belegen leiten lassen und sich erst später spezialisieren. Meist kommt es dann zum Dentisten-Effekt: je mehr man bohrt, desto mehr kann man finden.

Eine alte Postkarte ist immer ein Blickfang!

Sammlerin zu ihrem Freund: „Warum ziehst du dich eigentlich immer aus, wenn du eine Briefmarke aufklebst?“ – Freund: „Ganz einfach, weil auf der Karte steht: Bitte freimachen!“

Die Forschungssammlung

Es gibt immer noch offene Fragen in der Philatelie. Als Beispiel können Perfins dienen – auf Wiki finden wir dazu folgenden Eintrag: Die Lochung von Briefmarken war eine Sicherheitsmaßnahme gegen Entwendung von Briefmarken durch die Belegschaft. Im englischen Sprachgebrauch und teilweise auch auf Deutsch werden sie als Perfin bezeichnet, von der englischen Abkürzung „Perforated Initials“, was so viel bedeutet wie: gelochte Initialen. So kennen wir noch nicht jede Lochung, nicht alle Verwendungsdaten – es ist ein grosses Feld, das wir noch beackern können.

Vielfalt statt Einfalt!

Ein Postbeamter stempelt den ganzen Tag die Marken auf den Briefen. Jemand fragt ihn, ob das nicht langweilig sei? – „Nein“ – antwortet er– „kann ich nicht sagen. Ist doch jeden Tag ein anderes Datum!“

Die Stempelsammlung

Eine Stempel-Sammlung kann zur Forschung ausarten; durch beharrliches Suchen findet man immer wieder Verborgenes oder gar Unbekanntes. Friedenszeiten und Kriege verändern nicht nur die Menschen, sondern auch die Stempel. Liegt ein Ort an einer alten Postroute, so wird das Feld des Findens riesig. Ob man nur Stempel einer Stadt oder einer Region sammelt, kann jeder selbst bestimmen. Man sollte klein anfangen, denn man stellt rasch fest, dass es keine Grenzen gibt, die es zu überwinden gilt!

Stempel sind faszinierend, denn sie verraten Daten und Postrouten.

Sitzen zwei in der Klapse. Der eine schreibt gerade einen Brief. „An wen schreibst du?“ –
„An mich!“ – „Und was steht drin?“ – „Weiß ich noch nicht, der Brief kommt erst übermorgen an!“

Thematische Philatelie

Sie ist wie ein Konglomerat aus den vor erwähnten Möglichkeiten, allerdings erzählt man in der Thematik eine Geschichte. Das kann etwas Technisches oder Historisches sein. Auch hier gilt: es gibt Themen ohne, dass man am Horizont ein Ende sehen könnte. Wer gerne sein Wissen aus seinem Beruf darstellen will, kann aus dem Vollen schöpfen, denn man kann eines sagen: es gibt nichts, was man mit philatelistischen Belegen nicht darstellen könnte. Es mag sein, dass man gefordert wird, über Umwege etwas zu erklären – mit etwas Phantasie gelingt es immer. Manches Mal sind wir selbst, zumindest aber der Beschauer, gezwungen, geistige Bocksprünge zu vollziehen. Ein besonderer Vorteil liegt darin, dass die gezeigten Belege nicht teuer sein müssen. Bei anderen Sammelarten stösst man eventuell an seine materiellen Grenzen. Das kann frustrieren und man gibt ein schönes Hobby auf, mit dem man seine Freizeit so faszinierend verbringen kann. Dies trifft auf die Thematik besonders zu, denn man unterliegt hier keinen materiellen Zwängen und keinen Einengungen durch Kataloge oder anderen Vorgaben.

Komm mit in die Korkwälder Spaniens!

Ein Schlaumeier kommt vom Postamt heim und gibt seinem Kollegen das Geld zurück, das dieser ihm gegeben hatte: “Hier hast Du das Geld für die Briefmarken wieder”, sagt er freudestrahlend. “Ich habe die Briefe einfach ohne Marken eingeworfen, als niemand hingeschaut hat.”

Philatelie ohne Schranken: Open Philately

Man kann durchaus versuchen, denn es ist ausserdem sehr reizvoll, eine philatelistische Sammlung mit anderen Belegen aufzulockern. Man könnte es auch Unbeschränkte Philatelie nennen – wenn auch 50% der Belege [im Wettbewerb] philatelistisch sein müssen. Leider mussten wieder einmal zwei Anglizismen herhalten, um dieser Art des Sammelns einen modern klingenden Namen zu geben. Zeitungsausschnitte, Landkarten, Zeichnungen, Banknoten, Bucheinbände, Postkarten, Aktien, Wertkarten oder Comics können die erzählte Geschichte mit Indizien oder Beweisen untermauern. Insbesondere bei politischen Themen machen sich nicht-philatelistische Belege besonders gut, denn man kann sie sehr harmonisch in die gezeigten philatelistischen Belege mischen.

Fliegende Blätter gibt es im Herbst – gibt es Mode nicht nur in Frankreich?

Student in einem Brief an seinen Vater: „Papa, wo bleibt mein Geld“ – Antwort des Vaters: „Hier“.

Gesellschafts-Philatelie (Social Philately)

Haben Sie viele Briefe von Ihrer Grossmutter? Dies wäre bereits ein Grundstock für eine kleine Sammlung, denn nun interessieren nicht mehr nur Marken oder Stempel, sondern Absender und Empfänger, samt dem Inhalt, den man in einem Brief lesen kann. Diese Briefe könnte man in einen Kontext zur zeitlichen Epoche setzen. Ein alter Stapel Korrespondenz kann so zu einer Fundgrube über die Ansichten, Sitten, das Denken und Handeln unserer Vorfahren werden. Auch hier können Fotografien, Schulzeugnisse, Verträge etc eingebaut werden.

Hatten Pressler oder Lembach etwas mit Hindenburg zu tun?

Kindermund: Klein Konrad kauft beim Postamt gleich mehrere Bögen Briefmarken. Dem Postbeamten erklärt er stolz: „Ich decke mich schon mal ein, bevor ihr wieder die Preise erhöht.“ 

Ansichtskarten & Bildpostkarten

Früher schrieb man noch Ansichtskarten aus dem Ort, in den man verreist war. Ob kurz, ob lang, ob Reim oder Prosa, der Empfänger konnte über den Tellerrad blicken und sah Landschaften anderer Länder. Mit der Zeit wurden die Ansichtskarten bunter, oft wurde schon ein Text aufgedruckt und man musste nur mehr unterschreiben und frankieren. Alte Ansichtskarten sind oft als Lithographien hergestellt worden und rangieren unter „Kunstwerk“ – sie sind aber auch Zeitzeugen von Anno Dazumal. Man kann nun Vergleiche anstellen mit der Landschaft von heute: Ufer sind verbaut, Wälder haben Weiden verdrängt, das ehrwürdige Hotel steht nicht mehr oder wurde umgebaut. Manche Karten zeigen Menschen, Tiere oder Speisen und zeigen uns Mode, Tierrassen oder Esskultur vergangener Tage.

Bildpostkarten und Postkarten sind visuelle Leckerbissen!

Postler: „Sie müssen eine weitere Briefmarke auf dieses Paket kleben, da es zu schwer ist.“ – Kunde: „Aber eine weitere Briefmarke macht es nur noch schwerer…“

Soll man mit seiner Sammlung, seinem Exponat, in den Wettbewerb gehen?

Wenn jemand ein sehr empfindlicher Typ ist, dem Kritik ans Herz geht, der sollte es zuerst mal sein lassen und zuvor die Luft der Ausstellungen schnuppern und sich zu Juror und Aussteller gesellen, und deren Fachgespräche lauschen. Auf solchen Briefmarken-Ausstellungen kann man sich Ideen holen, vor allem, was die Gestaltung seiner eigenen Ausstellung betrifft. Soll man seine Schätze auf farbiges Papier fixieren, mit A3-Blättern arbeiten oder soll man ein besonderes Mass wählen? Mit welchem EDV-Programm sollen Rahmen und Schriften erstellt werden usw. – man bekommt Tipps und kann sich Informationen zu den vergebenen Bewertungen holen. Das Messen mit anderen ist eine menschliche Eigenschaft: schneller laufen oder rechnen, geschickter hantieren, mehr wissen, sind Eigenschaften, die wir von Kindesbeinen an lernen. Warum sollte es bei der eigenen Ausstellung plötzlich anders sein – allerdings: man sollte sich niemals nur nach Richtlinien orientieren, die eigene Sammlung muss vor allem uns selbst gefallen. Bei der Bewertung durch einen Juror kann es also passieren, dass man enttäuscht wird. Man darf aber nicht davon ausgehen, dass ein Juror alles kennt und weiss, was wir dargestellt haben. Und die Innovation einer Sammlung ist nur ein kleines Segment innerhalb des Bewertungsschemas. Hier wird dann doch auch wieder auf Qualität und Seltenheit des Materials geachtet, was auch teureres Material bedeuten kann. Dies gilt jedoch nur, wenn man nach ganz oben will……, wenn man einfach nur Spass daran hat seine Sammlung zu zeigen und andere auch damit zu erfreuen, geht es auch ohne die teuren Stücke.

Wettbewerbe können ganz schön spannend werden!

Beim Stammtisch des Briefmarkenvereins sitzt einer der Sammler völlig niedergeschlagen da. Ein später Dazukommender:  „Was ist denn mit dem Hubert heute los? Der ist doch sonst immer so fröhlich!“ – „Hubert hat doch seine Sammlung bei der Briefmarkenausstellung in Hamburg ausgestellt, wo sie nachts alle Rahmen aufgebrochen und alle Sammlungen mitgenommen haben!“ – „Oh je, das kann ich verstehen. Das ist ein herber Verlust!“ – „Nee, deswegen doch nicht! Aber sie haben seine Sammlung als einzige hängen lassen!“      

Apropos Medizinphilatelie.com

Dass Philatelie nicht nur ein ernstes Thema sein muss, zeigt uns die humoristische Vorstellung der ArGe Medizin und Pharmazie auf der Netzseite des BDPH.de:

Wem ist der Slogan unbekannt: „Nicht ohne Gummi!“ – er hat sowohl medizinischen als auch philatelistischen Hintergrund. Aber es gibt viele weitere Gemeinsamkeiten bei Medizinern und Markensammlern: Pinzetten, Licht und Lupen – mit ihnen arbeiten Ärzte und Philatelisten. Auch Krankheitsbilder sind ähnlich: der philatelistische Hypochonder etwa jammert, der Stempel ist nicht zentriert, das Datum nicht klar lesbar, und das Wasserzeichen undeutlich. Und wenn ein Zacken fehlt? Der Arzt wird es anders ausdrücken, aber Ähnliches meinen. „Alle Kassen“ wiederum meint ebenfalls dasselbe, es geht ums liebe Geld. Und auch das Wasserbad soll schon verordnet worden sein. Der Arzt meint „ein Ausschlag“, der Philatelist „stockfleckig“. Selbst bei Untersuchungen ist das Vokabular ähnlich: nach langem Suchen stellt der HNO-Arzt fest „eine Perforation“, auch der Philatelist untersucht Öffnungen in Marken und nennt sie Perfins. Selbst Schönheitsoperationen macht der Philatelist, wenn er eine Marke oder Stempel möglichst gleichrandig ausschneidet und den Beleg nicht so belässt, wie er einst geschaffen wurde. Den Facharzt, der Gutachten erstellt, nennen die Philatelisten in ihrem Jargon „Prüfer“. Und so mancher Arzt oder Patient beklagt überflüssige Kilo, der Philatelist nennt es Falz. Der Psychiater wird Erik als Erika enttarnen, der Philatelist nennt es Kehrdruck. Die Rohrpost dürfen Philatelisten durchaus mit der Arbeit eines Urologen vergleichen. Bei Auf- und Überdrucken dürfen wir an Tätowierungen denken. Mit Zwischensteg, Herzstück oder Zähnung landen wir wieder in einer ärztlichen Praxis. Fälschungen werden zum Nachteil der Post oder zum Vorteil eines Patienten gemacht.

Philatelie ist Medizin ohne Nebenwirkungen!

Arzt zum Philatelisten mit dem gequetschten Finger in der Notaufnahme „Wie ist denn das passiert?“ – Als ich mit meinen Briefmarken beschäftigt war, fiel mir ein Block auf meinen Finger…..

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