Der Tschick

Ein kleiner Stummel mit erstaunlich großer Wirkung

In Österreich weiß fast jeder, was mit einem „Tschick“ gemeint ist. Man raucht einen Tschick, schnorrt einen Tschick – und nicht selten landet der Tschick anschließend auf dem Boden.

Dabei bezeichnete das Wort ursprünglich gar nicht unbedingt die ganze Zigarette.

Sprachwissenschaftlich führt die Spur vermutlich zum französischen chique für Kautabak. Über das italienische cicca, das sowohl Kautabak als auch einen Zigarren- oder Zigarettenstummel bezeichnen konnte, dürfte das Wort in den österreichischen Sprachraum gelangt sein. Seit ungefähr 1800 lässt sich „Tschick“ in Österreich nachweisen. Seine ältere Bedeutung war eine kleine Menge Kautabak beziehungsweise ein Zigarren- oder Zigarettenstummel. Erst später wurde daraus die umgangssprachliche Bezeichnung für die ganze Zigarette.[1]

Damit schließt sich sprachlich ein bemerkenswerter Kreis: Der „Tschick“ war ursprünglich gerade auch das, was nach dem Rauchen übrig bleibt.

Und genau dieser Rest ist ein Problem.

Wenn der Tschick einfach fällt

Man sieht es täglich: Die Zigarette ist zu Ende geraucht, der Stummel wird mit zwei Fingern weggeschnippt, auf den Boden geworfen oder mit dem Schuh ausgetreten.

Was bei einem Stück Papier kaum jemand machen würde, scheint beim Zigarettenstummel gesellschaftlich noch immer erstaunlich selbstverständlich zu sein.

Dabei verschwindet er nicht einfach.

Moderne Zigarettenfilter bestehen überwiegend aus Celluloseacetat, einem Kunststoff. Hinzu kommen die Stoffe, die der Filter beim Rauchen aufgenommen hat. Auf Straßen und Gehwegen können Bestandteile ausgewaschen und mit dem Regen in Böden, Kanalisation und Gewässer gelangen.[2]

Und dann gibt es noch einen ganz anderen Aspekt, den vermutlich jeder Hundehalter kennt.

Unsere junge Lagotto-Hündin fand die herumliegenden Tschickstummel anfangs ausgesprochen interessant. Sie nahm sie auf und spielte damit. Inzwischen lässt sie sie glücklicherweise liegen.

Ein kleines Kind unterscheidet sich in seiner Neugier nicht grundsätzlich davon: Was auf dem Boden liegt, wird aufgehoben, untersucht und im schlimmsten Fall in den Mund genommen.

Der weggeworfene Tschick ist deshalb nicht bloß ein ästhetisches Ärgernis.

Im Sommer kommt noch Feuer hinzu

In einem trockenen Wald verändert sich die Bedeutung einer achtlos weggeworfenen Zigarette schlagartig.

Aus Müll kann eine Zündquelle werden.

Das österreichische Landwirtschaftsministerium nennt unachtsam weggeworfene Zigaretten ausdrücklich unter den möglichen Ursachen von Waldbränden. Rund 85 Prozent der Waldbrände in Österreich werden direkt oder indirekt durch Menschen ausgelöst. Zu den Ursachen gehören neben Zigaretten unter anderem Waldarbeiten, Brauchtumsfeuer, Feuerwerk, Funkenflug bei Eisenbahnen und Brandstiftung. Nur etwa 15 Prozent werden im langjährigen Durchschnitt durch Blitzschlag verursacht.[3]

Das bedeutet natürlich nicht, dass jede weggeworfene Zigarette einen Waldbrand verursacht.

Es bedeutet aber sehr wohl: Ein großer Teil des Waldbrandrisikos liegt in unserer Hand.

Und je trockener Vegetation und Waldboden werden, desto weniger verzeihlich wird Nachlässigkeit.

Liechtenstein 2026: Wenn selbst der Fürst ohne Feuerwerk feiern muss

Wie ernst eine solche Situation werden kann, zeigte der Sommer 2026 unmittelbar vor unserer Haustür.

Im Fürstentum Liechtenstein wurde bereits am 24. Juni 2026 ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe erlassen. Wegen der zunehmenden Trockenheit folgte am 8. Juli ein absolutes Feuerverbot im Freien.[4]

Die Konsequenzen waren bemerkenswert.

Am 15. August begeht Liechtenstein seinen Staatsfeiertag. Zum traditionellen Programm gehört normalerweise auch ein großes Feuerwerk über Vaduz.

2026 fiel es aus.

Nicht irgendeine private Grillparty wurde untersagt, sondern ausgerechnet das traditionelle Feuerwerk des Staatsfeiertages. Wegen der anhaltenden Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr verzichteten die Veranstalter darauf. Auch Höhenfeuer und Fackeln wurden durch elektronische Lichtelemente ersetzt.[5]

Das ist eigentlich ein starkes Bild:

Wenn ein ganzes Land sein Feuerwerk zu Ehren des Fürsten absagt, sollte es auch möglich sein, auf den Tschick im Wald zu verzichten.

Nach Niederschlägen konnte Liechtenstein das allgemeine Feuerverbot am 21. August schließlich aufheben. Im Wald und in Waldesnähe blieb das Verbot jedoch bestehen. Die Waldbrandgefahr wurde weiterhin mit Stufe 4 von 5 angegeben.

Und die Vorschrift war eindeutig:

Das Entzünden von Feuer und das Rauchen im Wald und in Waldesnähe blieben verboten. Selbst fest eingerichtete Grillstellen durften innerhalb eines Abstandes von 50 Metern zum Wald nicht benutzt werden.[6]

Rauchen im Wald – muss das wirklich sein?

Über Rauchverbote lässt sich trefflich streiten. In Restaurants, Gastgärten, auf Bahnhöfen oder an anderen öffentlichen Orten prallen persönliche Freiheit, Gesundheitsschutz und gesellschaftliche Gewohnheiten aufeinander.

Beim Waldbrandrisiko liegt die Sache anders.

Hier geht es nicht darum, jemanden vor dem Rauch eines anderen zu schützen. Es geht darum, eine mögliche Zündquelle aus einem hochgradig brennbaren Gebiet fernzuhalten.

Ein zeitlich begrenztes Rauchverbot im Wald und in dessen unmittelbarer Umgebung bei hoher oder sehr hoher Waldbrandgefahr erscheint deshalb nicht als Schikane, sondern als eine der einfachsten Präventionsmaßnahmen überhaupt.

Keine Maschine muss angeschafft werden. Kein Löschflugzeug muss starten. Kein Kilometer Brandschutzschneise muss angelegt werden.

Man muss lediglich warten, bis man wieder an einem sicheren Ort ist.

Der Tschick, der zur Batterie wird

Und dann bekommt die Geschichte des weggeworfenen Tschicks noch eine überraschende Wendung.

Forscher untersuchen, ob sich gebrauchte Zigarettenfilter als Rohstoff für Superkondensatoren verwenden lassen – elektrische Energiespeicher, die sich besonders schnell laden und entladen lassen.

Der Ausgangsstoff dafür ist ausgerechnet das Celluloseacetat der Filter. Durch Reinigung, Zerkleinerung, thermische Behandlung bei hohen Temperaturen und weitere Verarbeitung kann daraus ein hochporöses Kohlenstoffmaterial entstehen. In einer 2026 vorgestellten Untersuchung erreichte das daraus hergestellte Material eine sehr große innere Oberfläche; nach 10.000 Lade- und Entladezyklen waren noch mehr als 95 Prozent der ursprünglichen Leistung vorhanden.[7]

Noch ist daraus selbstverständlich kein Freibrief zum Wegwerfen geworden – ganz im Gegenteil.

Denn damit ein Tschick zum Rohstoff werden kann, muss er gesammelt werden.

Auf dem Waldboden ist er kein Rohstoff.

Dort ist er Müll.

Und solange er noch glimmt, möglicherweise sogar eine Zündquelle.

Ein Feuer beginnt sehr klein

Bei Waldbränden sehen wir später die spektakulären Bilder: Flammenwände, Löschhubschrauber, evakuierte Häuser, verkohlte Bäume und erschöpfte Feuerwehrleute.

Der Anfang eines solchen Brandes kann dagegen unspektakulär sein.

Ein Funke.

Ein Streichholz.

Ein schlecht gelöschtes Feuer.

Oder eben ein Tschick.

Man kann nicht jeden Waldbrand verhindern. Blitzschläge wird man ebenso wenig verbieten können wie Hitze, Wind oder lange Trockenperioden.

Aber jene Brände, die durch menschliche Gedankenlosigkeit entstehen, wären vermeidbar.

Vielleicht beginnt Waldbrandschutz deshalb nicht beim Löschflugzeug.

Sondern zwischen zwei Fingern.

Und mit der simplen Entscheidung:

Dieser Tschick fällt nicht auf den Boden.


Quellen

[1] Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika / DiÖ: „Woher kommt das Wort ‚Tschick‘ und was bedeutet es?“ Der Begriff dürfte über französisch chique und italienisch cicca in den österreichischen Sprachraum gelangt sein und ist dort seit etwa 1800 belegt.

[2] SMART UP NEWS, 19. Januar 2026: „Aus Kippen wird Strom: Forscher machen eines der größten Müllprobleme zu einem Energiespeicher“.

[3] Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft: „Waldbrand in Österreich & Tipps zur Vermeidung“. Nach Angaben des Ministeriums werden rund 85 % der österreichischen Waldbrände direkt oder indirekt durch Menschen ausgelöst.

[4] Regierung des Fürstentums Liechtenstein / Amt für Bevölkerungsschutz: Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe vom 24. Juni 2026; absolutes Feuerverbot im Freien ab 8. Juli 2026.

[5] Liechtensteiner Staatsfeiertag 2026, Informationen der Veranstalter: Absage des traditionellen Feuerwerks aufgrund der Trockenheit und hohen Waldbrandgefahr; elektronische Lichtelemente als Ersatz für Höhenfeuer und Fackeln.

[6] Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Medienmitteilung vom 21. August 2026: „Aufhebung des absoluten Feuerverbotes im Freien – Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe bleibt bestehen“.

[7] SMART UP NEWS, 19. Januar 2026, unter Bezugnahme auf eine Studie zur Herstellung poröser Kohlenstoffmaterialien aus gebrauchten Zigarettenfiltern. https://smartup-news.de/wissen/zigarettenstummel-als-energiespeicher-neuer-nutzen-fuer-kippen/


Das sind meine Gedanken, die mit Hilfe von KI ausgearbeitet wurden. Zeit ist halt doch Geld…. meint…

der Brandstetter

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